22/12/2016 Sparkle

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Those who don’t believe in magic will never find it.
Roald Dahl

Schon zweimal in den letzten vier Jahren bin ich drei Tage vor Weihnachten von einer langen Reise aus Asien zurückgekommen. Habe mich nach all der tropischen Hitze auf die knackige Hamburger Kälte und über die Möglichkeit, im letzten Moment noch auf den, seine immer schneller seine Runden drehenden Zug der Weihnachtsstimmung aufzuspringen, gefreut, um dann in einem dreitägigen Intensiv-Programm auf Weihnachten einzustimmen.

Ich mag, wenn auch auf meine persönliche Art und Weise, die Weihnachtszeit.  Zwar bin ich nicht religiös, aber dennoch gläubig. Mir geht es in diesen letzten Wochen vor Weihnachten vor allem darum mich zu besinnen und so die Magie, gerade rechtzeitig zum bevorstehenden neuen Jahr, die in den vergangen Monaten meist wieder etwas auf der Strecke geblieben ist, zurück in mein Leben einzuladen.

Eine ganze Industrie, die mit Sicherheit nichts mit den fleißigen Wichteln des Weihnachtsmann zu tun haben will uns weismachen, dass wir so etwas wie Magie in Form von Christmas-CDs, Kaminzauber-Tee oder Ohrringen in Christbaumform erwerben können.

Aber ich glaube, Magie ist nichts, was man einfach konsumieren kann, sondern etwas, das immer da ist. Umsonst und frei verfügbar. Wir müssen nur unsere Sinne aktivieren, uns also ganz im Sinne des vorweihnachtlichen Gedankens be-sinnen.

Laut Biologie gibt es fünf Sinne. Schmecken, Hören, Riechen, Sehen und Fühlen. Diese können uns dabei helfen, das Leben in all Dimensionen wahrzunehmen. Dieses Jahr hatte ich in den letzten Wochen schon ein bisschen Zeit mich mit allen Sinnen auf Weihnachten einzustimmen.

Beim Geräusch der Stille, nachdem sich der erste Schnee bereits Anfang November kurz über die Stadt gelegt hatte. Beim Geschmack jeder Menge überzuckerten Glühweins auf Santa Pauli, Hamburgs sündigstem Weihnachtsmarkt.  Beim Geruch der Tannenbäume, die es auf dem Weg von der U-Bahn zu mir nach Hause zu kaufen gibt. Beim Blick auf die unzähligen, von mir mit goldenem Glitzer lackierten Dinosauriern, mit denen seit zwei Jahren ausschließlich der Familientannebaum dekoriert wird, die dieses Jahr aber in ihrer Kiste pausieren werden. Oder beim Abpulen der weißen Fasern von einer Mandarinenspalte, die ich unerwarteter Weise seit diesem Jahr auf einmal gerne esse.

Und dann gibt es da noch einen sechsten Sinn, der sich je nach Meinung irgendwo  zwischen den Augen, dem Herz und dem Bauch befindet. Der sechste Sinn hilft uns Dinge wahrzunehmen, die in ihrer Wahrnehmung zwar nicht messbar sind, dies aber im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass sie nicht existieren.

Damit ähnelt der sechste Sinn wohl ein bisschen der Magie. Beides ist komprimierte Universumsenergie, die dafür sorgt, dass wir manchmal innerhalb vom Bruchteil einer Sekunde einer Begegnung spüren, dass dies etwas ganz besonderes ist oder uns eine Idee überkommt, die von außen zwar absolut verrückt wirkt, von der wir aber wissen, dass die Umsetzung dieser der einzig logische Weg ist.

Dieses Jahr also habe ich Deutschland nun zum ersten Mal drei Tage vor Weihnachten verlassen und lande an diesem frühen Donnerstag morgen in Namibia. Im Gegensatz zu den feuchten Tropen, die sofort alle Sinne mit ihren Eindrücken belegen, ist mein erster Eindruck von diesem Teil Afrikas regelrecht zurückhaltend.

Es ist so trocken, dass die Luft nach fast nichts riecht oder schmeckt. Das lautesten Geräusch und das stärkste Gefühl, hier ein paar Kilometer außerhalb von Windhoek, ist das Rauschen des Windes auf der Haut. Die trockenen Hügellandschaften in Terrakotta- und Beigetönen sind nur von ausgetrockneten, grünen Bäumchen, wie ausgetrocknete Pinselstriche, durchzogen.

Das fühlt sich gut an. Wie eine Art Pause nach all dem weihnachtlichen Input zuhause. Nur eine Sache gibt es, die sofort meine volle Aufmerksamkeit erreicht, denn noch nie habe ich so einen ausgetrockneten und doch so wunderschönen Boden gesehen. Man muss genau hingucken, aber wenn man das tut eröffnet sich eine kleine staubige Galaxis unterhalb der Fußsohlen.

Die vielen Steinchen in allen Größen schmücken ihn zusätzlich wie unzählige Christbaumkugeln. Oder eben wie die vielen Dinosaurier, die jetzt eigentlich zuhause an unserem Tannenbaum hängen würden, und die eines mit den Steinen und dem Boden hier gemeinsam haben.

Sie glitzern.

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