Tovolea Mada – Mach´s einfach & bemüh dich

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Als ich die Zettelchen mit den sechs Sprichwörtern aufgeschrieben habe, hatte ich einen klaren Favoriten, mit welchem ich als Motto für den ersten Monat beginne wollte. Unbedingt wollte ich mit TOVOLEA MADA beginnen. Nein, ich hatte regelrecht das Gefühl, dass kein Motto zu diesem Zeitpunkt besser in mein Leben  passen würde, als der fidschianische Aufruf zum Aktionismus ohne Grübeln.

Zum Glück ist das Leben ist ein schlaues Ding und gibt einem oft genau die Dinge, die man gerade braucht. Ich griff zu den kleinen grünen Zettelchen und zog, wie sollte es anders sein, TOVOLEA MADA.

TOVOLEA MADA bedeutet wörtlich übersetzt „Mach´s einfach und bemüh dich“ und  ist somit so etwas wie die Kombination aus dem amerikanischen „Just do it“ und dem neuseeländischen und australischen „No worries.“

Nun, im Machen bin ich richtig gut. Im Bemühen auch. Nur mit dem Einfach hapert es gewaltig. Mehr noch, oft lähmen mich die wirbelnden Gedanken um eine Sache so sehr, dass ich regelrecht erstarren und manchmal gar nicht erst anfangen. Oder aber ich beginne unverzüglich mit der Umsetzung von Ideen, schiebe die Vollendung dann aber wieder hinaus, um mir so immer noch Raum in weiter Zukunft bis zur potentiellen Perfektion zu sichern.

Dieses Problem kennt ein Fidschianer nicht. Ich erinnere mich daran, wie ich während der Osterferien in Silana ein Klassenzimmer streichen sollte. In Deutschland würde das ungefähr so laufen: Malerfirma wird nach langem Preisvergleich beauftragt, rückt mit Overalls und Abdeckplane an und braucht länger für die Rüstzeit, als für das eigentliche akkurate Streichen der Wände in einem dezenten Anthrazitton.

Auf Fidschi dagegen drückte man mir einfach einen Eimer mit einem saftigem Froschgrün in die Hand und los ging´s. Mach einfach! Abkleben? Ach was, bemüh dich halt! Das danach nicht nur meine Arme, mein Sulu und vor allem der halbe Boden des Klassenzimmers ebenfalls giftgrün leuchtete, war dabei nebensächlich.

Vollendet ist eben besser als Vollendung.

Osho hat einmal gesagt „Du musst zum Schöpfer werden. Du musst die Kreativität finden, die deine Freiheit erfüllt, sonst ist die Freiheit leer. Du musst entweder etwas erschaffen oder etwas entdecken.“

Einen Großteil der letzten Monate habe ich, im Gegensatz zu den beiden Jahren davor, im Stillen an meinem Schreibtisch verbracht. Immer alleine, aber niemals einsam. Ein eigenes Buch schreiben, das war der Kindheitstraum, der sich im letzten Jahr immer mehr an bohrend an die Oberfläche geschoben hatte. Gedacht, getan. Ich bin wie gesagt gut im Machen und stürzte mich während der letzten Monaten in dieses Abenteuer im Kopf. Nur das mit dem Einfach wurde, je mehr der Traum sich dem Ende neigte, zu einem Problem.

Das Pareto Prinzip besagt, dass  80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen mit 80 % die meiste Arbeit. Aber was würde diese Regel für mich, kombiniert mit meinem Hang zur Perfektions-Prokrastinierung bedeuten, überlegte ich, nachdem ich für die ersten 80 %  meines Traums schon über ein Jahr gebraucht hatte? Ich bin nicht gut im Dreisatz, aber ich wusste, dass dieses drohende Endloszeitfenster definitiv meinen nervlichen Rahmen sprengen würde.

Und hier kam TOVOLEA MADA ins Spiel. Denn – Achtung, Geheimtipp! –  das Schöne an guten Ratschlägen ist oft, dass sie oft einfach zu einfach sind und man ihnen genau deswegen meist nicht an sie glaubt. Dabei lautete der simple Trick einfach, sich genau diesen Satz zu sage, sobald die hübsch lackierten Wildpferchen meines Gedankenkarrussels begannen ihre Runden zu drehen und die üblichen Phrasen zu wiehern.

TOVOLEA MADA. Mach´s einfach und bemüh´dich.

Üblicherweise wären danach jetzt die Zweifel wieder an der Reihe gewesen, hätte weiter gewiehert und sich aufgebäumt. Aber seine Energie gegen etwas als für etwas einzusetzen ist oft viel anstrengender. Also versuchte ich jedes Mal, wenn ich bemerkte, dass ich mich wieder in meinem Perfektionsstreben verhedderte einfach nur eine Sache zu denken:

TOVOLEA MADA. Mach´s einfach und bemüh´dich.

Und ich habe festgestellt: Wenn man anfängt zu machen ohne sich ständig auszubremsen entsteht Energie. Ja, manchmal regelrecht beinah zu viel davon! Es scheint fast, als würden die progressiven Gedanken sich nur noch potenzieren und die Kraft in allen Bereichen des Lebens nur noch mehr hereinströmen.

Im letzten Monat habe ich also gemacht. Vieles ist mit Sicherheit nicht perfekt. Aber ich habe mich bemüht. Und – was viel wichtiger ist – ich habe es beendet.

Widmen wir uns also dem Entdecken. Und da nach einem Jahr intensiver Forschung in sich selbst am Schreibtisch bereits viel freigelegt wurde, habe ich die weitere Suche verlegt.

Indien, ich komme!

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