14/11/15 See the little things Part III

Schöne Dinge zu machen muss nicht zwangsläufig Geld kosten. Es sind die kleinen Dinge, die scheinbar unspektakulären Momente, die so oft unbemerkt an einem vorüber ziehen, die oft einfach am meisten Spaß machen. Hier kommt die Bali Edition.

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Mit einem Balinesen plaudern

Wo kommst du her? Wo willst du hin? Was in der Philosophie zu den größten Fragen zählt, gehört für einen Balinesen zum Grundvokabular. Es scheint, als brauchen sie diese Fragen und Antworten, um sich in dem großen Geflecht aus Familien und Gruppen immer wieder neu zu lokalisieren. Im Gegensatz zu den großen Philosophen jedoch, ist ein Balinese mit einer einfachen Antwort zufrieden.

Man sollte meinen, dass Menschen die die selbe Sprache sprechen, öfters kommunizieren müssten als solche, die einander kaum verstehen. Aber nirgends plaudere ich mit soviel Freude wie auf Reisen. Vielleicht liegt es gerade daran, dass es eben nicht um die großen Fragen geht. Oder eben doch. Wo kommst du her? Wo willst du hin? From Ubud. To Permuteran. Englisch ist die sprachliche Brücke die einen so gut es geht verbindet, aber manchmal gleicht auch diese eher einem hölzernen, kleinen Steg.

Also versuche ich ein paar Wörter balinesisch zu lernen und kapituliere nach wenigen Anläufen. Indonesisch ist schon eine Herausforderung, aber Balinesisch scheint sich daraus in einer Art „Ich packe meinen Koffer“ entwickelt zu haben. Extended Version. Die Wörter sind gefühlt immer noch ein paar Silben länger, der Knoten in der Zunge noch verworrener. Aber es gibt auch einfache Worte. Affe zählt zum Beispiel zu einem dieser kurzen, aber dennoch wichtigen Wörter.

Bojog“, spricht Nyoman mir laut vor. „Bojog“, antwortet und brav und voller Stolz, während der kleine Mann in seinem Boot sich vor Lachen schüttelt. Unermütlich wiederhole ich das scheinbar so einfache Wort wieder und wieder. Bojog. Bojog. Bojog. Betone das g am Ende, lasse es stumm enden, ziehe die o´s weiter auseinander. Nyoman kichert weiter vor sich hin und versucht es mit weiteren Wörtern in Balinesisch und Indonesisch.

Ich mag Sprachen, ein paar Worte lerne ich meist schnell. Aber das hier ist der reinste Kurzschluss für die Synapsen meines Sprachzentrums. Irgendwann versteht weder ich noch Nyoman mehr ein Wort und wir reden in einer Mischung aus Englisch, Balinesisch und Deutsch durcheinander. Unsere Sprachkenntnisse sind meilenweit entfernt davon perfekt zu sein. Aber darum geht es auch nicht. Es geht um die Freude an der Sache. Und die beherrschen wir in Perfektion!

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Schilder gucken

So zurückhalten die Balinesen oft auch sein können, eines muss man ihnen lassen: Sie haben Humor. Aber im Gegensatz zu den ständig herumschäkernden Fidschianern, leben sie diesen auf ihre ganz eigene künstlerische Art und Weise aus: Sie stellen Schilder auf.

Fast scheint es, als würden Straßen, Strände und Wege einem ab und zu heimlich zuzwinkern. Man muss schon genau hinsehen, aber dann fällt es  auf. Das hölzerne „Turtle Making Eggs“ Schild an einem einsamen Strandabschnitt, Die Aufforderung „Let´s dance“ vor einer leeren Fläche neben einem Restaurant oder das bunt gemalte „Playstation 4“ neben einem Kinderspielplatz. Die Insel ist voll von kleinen, visuellen Scherzen. Das Leben birgt Spaß, ganz eindeutig. Ich sehe die Zeichen!

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Touristen beobachten

Ich werde es nie verstehen, warum manche Menschen um die halbe Welt reisen, um dann in einem fremden Land zusammen mit zehn kreischenden Chinesen in Schwimmweste mit einem Bananaboot über das Meer geschleudert zu werden. Diese käufliche Vergnügen ziehen mit einer Geschwindigkeit an einem vorbei, dass man kaum Gelegenheit hat, sie wirklich wahrzunehmen und somit gleich wieder nach dem Nächsten giert. Fast Food Reisen. Aber da die Grenzen zwischen für Touristen und nur für Touristen im wahrsten Sinne des Wortes schwimmend sind,  beschließe ich mir zumindest in einem Tempel den Baron, den traditionellen balinesischen Tanz anzugucken.

Der Barong stellt den ständigen Kampf zwischen Gut und Böse da und geht stets unentschieden aus. Ja, ja, zwei Seiten der Münze, langsam habe ich es begriffen… Fasziniert beobachte ich die dynamischen und eckigen Tanzbewegungen der in glitzernde Kostüme gehüllten Frauen, die wie Roboterpuppen im Stakkato immer wieder die Arme verdrehend und mit weit hochgezogenen Augenbrauen über die Bühne tippeln. Die erste Viertelstunde ist noch sehr unterhaltsam. Nach vierzig Minuten ertappe ich mich dabei, wie ich auf mein Handy gucke. Nach einer Stunde fühle ich mich wie benebelt von den sich scheinbar ständig wiederholenden Tanzfolgen. Und dann entdecke ich etwas, das viel amüsanter ist, als die endlosen kantigen Tanzbewegungen auf der Bühne. Die anderen Zuschauer um mich herum. Auf der Bühne mag die Show laufen, aber das wahrlich bunte Treiben spielt sich vor der Bühne ab.

Vorne rechts entdecke ich ein chinesisches Gangster Pärchen. Ich wusste gar nicht das es sowas gibt.Er trägt ein Baseball Cap, jede Menge Piercings und Tattoos und sieht aus wie die asiatische Version von 50 Cent. Im Mittelgang steht ein älterer chinesischer Herr halb gebückt hinter einem Stativ um die gesamte Vorstellung auf Video festzuhalten. Ich versuche mir vorzustellen, was er damit machen wird und hoffe für seine Freunde zuhause, dass er nach seiner Rückkehr nicht zu einem Videoabend einlädt… Ich bin wohl nicht die Einzige, die die Vorstellung etwas ermattet. Schräg vor mir hat sich ein kleines Mädchen auf dem Schoß ihrer zierlichen Mutter unter deren T-Shirt wie ein Känguru Baby zurückgezogen. Die winzig kleine chinesische Omi, die trotz der Hitze einen von Goldfäden durchzogenen Wollblazer trägt, nascht sich kontinuierlich und hochkonzentriert durch eine Tüte „Alpenliebe“ Karamellbonbons. Und dann ist da noch das kleine Mädchen, dass schon vor Beginn der Vorstellung eine dreimal so hohe Pappfigur an der Seite des Tempel zu fallen brachte, nun aber brav zwischen ihren Eltern vor mir sitzt und sich in einer Seelenruhe die hüftlangen Haare von hinten über dem Kopf aufwendig zusammen flechtet.

„Die ganze Welt ist Bühne“, stellte schon William Shakespeare fest. Man muss nur genau hingucken.

Und hier geht zu Teil I & II der kleinen Dinge:

See the little things Part I – Fidschi
See the little things Part II – Alaska

 

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