24/10/15 Believe in Green

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Sport has the power to change the world.
Nelson Mandela

Ich sitze in der Yogametropole Ubud in einem Zimmer, das überwiegend in Lila eingerichtet ist, in dem gleich vier überdimensionale, mannshohe Stoffteddybären hocken und an dessen Wänden A4 Ausdrucke feministischer Zitate gepinnt sind und gucke… Fußball.

Lila ist die Farbe des Hinduismus, des Feminismus und der Spiritualität. Und genau all diese Interessen vereint die Dame in dessen Zimmer nun das Spiel Bayern gegen Köln läuft. Die Dame, die eigentlich aus Australien kommt und diese Wohnung nur nutzt, wenn sie nicht beruflich für einen Fernsehsender auf den Philippinen unterwegs ist, ist eine Freundin von Guli.

Und Guli, der auf einem Schreibtischstuhl neben mir und dem Sofa voller lilafarbener Kissen sitzt, ist es auch, der wahrscheinlich am meisten von der großzügigen Mieterin profitiert. Aber an diesem Abend ist es eine andere Farbe die dominiert. Grün.

„Look, every sports channel you want“, sagt er stolz und deutet mit der Fernbedienung Richtung Fernseher. Die Verbindung zum Fernsehen machen sich bezahlt.

Wir essen Chips und trinken Bier. Aber nur ein bisschen. Früher, so Guli, hätte er gar keinen Alkohol getrunken und nicht geraucht. Dann lernte er eine Frau kenne, die ihm sagte, als echter Mann würde man all das tun. Also trank er. Und trank er. Und trank er. Jeden Tag. Irgendwann machten ihn seine Freunde darauf aufmerksam, dass es nicht nur der Alkohol, sondern möglicherweise auch die Frau war, die ihm nicht gut tat. Also ließ er beides bleiben.

Das Bier neben ihm ist auf Grund all der Fußballaufregung eh schnell vergessen. Er guckt gerne Bundesliga, noch lieber als die englische Liga. In der deutschen Liga sind die Stadien immer voll. Das gefällt ihm. Außerdem freut er sich, dass Deutschald Italien in der Fünf Jahres Wertung überholt hat und dass das auch erstmal so bleiben wird. Er ist bestens informiert über alle deutschen Nachwuchstalente und sich sicher, dass Lewandowski Weltfußballer des Jahres werden könnte. Wenn da nur nicht Christiano Ronaldo wäre…

Aber Guli ist nicht nur der größte Fußballfan unter der indonesischen Sonne, sondern auch der mit dem besten Gedächtnis. Er erinnert sich an fast jedes Spiel, jede Info zu seinem jahrelangen großen Idol David Beckham und haargenau an alle Details zur EM 1996 in England.

Ich habe keine Ahnung von Fußball, aber ich habe zwei Vorteile: Erstens weiß ich als ehemaliger und sehr treuer SPICE GIRLS Fan (Girlpower!!) natürlich über die Beckhams Bescheid und zweitens habe ich als Kind exzessiv Tagebuch geschrieben. Das kommt mir jetzt zu Gute. Denn ich, die das Radio ausmacht sobald sie das Stadiongegröle nur hört, weiß Bescheid. Über Oliver Bierhoff und das Golden Goal. Ich kenne sie alle. Köpke, Sammer, Strunz, Helmer und natürlich Berti Vogts. Der Himmel weiß warum, aber ich habe damals alles haarklein in meinem Tagebuch dokumentiert. Inklusive Zeitungsausschnitten, Fotos der Medaillen-überreichenden Queen, handgeschriebenen Spielberichten und einer Illustration des Pokals.

Und so kann ich mitreden, obwohl ich sonst auch nicht viel mehr weiß, als das Fußball eine Sache ist, die sich meist auf ziemlich grünem Untergrund abspielt. Und das macht vielleicht sogar Sinn. Denn genau wie die Farbe Grün für Hoffnung und Frieden steht, ist es auch der Fußball, der als universelle Sprache zum Austausch über Grenzen, Kulturen und Religion zur Förderung von Frieden und Toleranz beiträgt. Und das habe ich noch nie selbst so sehr miterlebt, wie an diesem späten Samstag Abend auf Bali.

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