23/10/15 Get creative again

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The EARTH without ART
is just EH.

Wie kann eine Insel, auf der es ursprünglich sowas wie den klassischen Kunstbegriff gar nicht gibt, nur so mit schönen Dingen vollgestopft sein? Die Antwort drauf lautet: Es liegt an den Götter. Denn da nach dem hinduistischem-animistischem Glauben die Götter in allen Erscheinungen allgegenwärtig sind, gilt es diese bei Laune zu halten. Also wird fleißig gemalt, gebaut, umhüllt, geschnitzt und dekoriert.

An jeder Ecke Ecke entdeckt man wieder neue Tempel in allen Größen und Formen. Selbst in den entlegensten Gegenden sind diese aufwendig gestaltet und geschmückt. Ich muss an die Maislabyrinthe denken, die es in Deutschland im Sommer öfters mal auf dem Land zu sehen gibt. Hier ist das genau andersherum. Mitten in der Natur der Reisfelder oder Inseln, finden sich kleine, verwinkelte Labyrinthe aus Stein. Aufwendig und liebevoll gestaltete Verbindungen von Wohnhäusern und Tempelanlagen.

Und dann sind da die ganzen Statuen, die es nicht nur in der typischen Götterform überall auf den Straßen und in der Natur zu finden gibt. Der Kreativität der Balinesen sind scheinbar keine Grenzen gesetzt und so finden sich ebenfalls in Stein gemeißelte Affen, Warane, Elefanten oder – auch sehr interessant  – barbusige, ältere Damen.

Bali wirkt wie ein riesengroße Freiluftgalerie. Und all diese Dinge geben Bali das typische Gesicht und damit den Namen, Insel der Götter. Dieses Gesicht ist, wie viele der unzähligen Masken, die für die traditionellen Tänze genutzt werden, unglaublich farbenfroh.

Farbenfroh ist auch das, was ich hier am meisten mag. Die Dekoration des öffentlichen Raumes. Besonders gefallen mir die in glitzernden Stoff gewickelten Bäume, die Gold verzierten Regenschirm und die bunten Tücher mit denen die Statuen behangen sind. In einem Land, in dem es monatelang nicht regnet scheint es leichter so sein, die Umwelt zu verschönern. Aber so etwas gib es auch in Deutschland. Guerilla oder Urban Knitting nennt sich das gerade mal erst zehn Jahre alte Phänomen, bei dem Geländer, Statuen und Poller in Wolle verpackt werden.

Je mehr ich sehe, wie liebevoll, aber auch gleichtzeitig wie ruhig und entspannt die Balinesen sich mit der Schönheit der Dinge beschäftigen, desto kommt mir der Gedanke, dass man sich davon eine Menge in Sachen Kreativität abgucken kann.

Wie viele Freunde fallen mit auf Anhieb ein, die gerne mehr malen/ singen/schreiben würden, es aber nicht tun, weil sie Angst haben zu schlecht/zu wenig begabt/noch nicht genug in der Übung zu sein. Wenn es um Kunst geht, können wir unglaublich hart mit uns selbst sein. Nur zu gerne beladen wir den kreativen Prozess mit jeder Menge Druck. Insgeheim wissen wir, dass der Weg das Ziel ist, aber trotzdem stellen wir uns das Zeil selbst in den Weg. Weil wir uns mit Gedanken daran selber ausbremsen, indem wir uns selber glauben machen, dass das, was wir da schaffen unglaublich sensationell, weltbewegend oder perfekt sein muss.

Vielleicht sollten wir es mehr wie die Balinesen halten und Dinge nicht um der Kunst willen machen. Denn vielleicht geht es aber gar nicht darum, was man macht, sondern das man überhaupt etwas macht. Und das nicht, weil man es gut kann, sondern einfach, weil man schöne Dinge in die Welt setzt. Was wäre, wenn wir die Kunst weniger als etwas Angsteinflößendes nehmen würden, sondern eher als ein alltägliches Ritual. Eine Art kreatives Zähneputzen sozusagen.

Und ganz nebenbei stimmt man so auch noch die Götter gnädig. Denn denen ist es wahrscheinlich nämlich egal, ob man aufwendig ein Stillleben in Öl malt, bunte Stulpen für einen Poller strickt, unter der Dusche singt oder den Reifeprozess einer Banane farbenfroh mit Textmarker dokumentiert.

Für Elodie

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