19/10/15 Turn trash into treasure

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Tanz mal drüber nach.

Der Cha Cha Cha, oder auch kurz Cha Cha genannt, ist ein Tanz kubanischen Ursprungs. Der Name ist onomatopetisch. Er ist nach dem Geräusch benannt, das die Füße der Tänzer machen.

Cha Cha ist aber auch der Name meiner neuen Freundin. Cha Cha ist klein, ihr schmaler Körper ist gut verpackt in einem langen Rock, einem Kopftuch und einem langärmeligen Shirt mit dem Aufdruck „Lovely Smiles“. Lieblich ist wohl auch das Wort, das Cha Cha am besten beschreibt. Alles an ihr ist so süß, das man ihr am liebsten die ganze Zeit über den Kopf streicheln möchte. Wenn sie redet klingt es wie ein warmer, langsamer Singsang und wenn sie schüchtern kichert, erinnert sie mich an Julia Roberts als Vivian in „Pretty Woman“.

Cha Cha ist ursprünglich von Java, kam aber wie soviele andere Bewohner der Hauptstadtinsel nach Bali, um in der Tourismusbranche zu arbeiten. Cha Cha ist höchstens zwanzig, eher um die achtzehn. Aber wenn es um die Buchhaltung des Homestays geht, kommt niemand an der zeitlichen Indonesierin vorbei. Die Finanzen managen auf Bali traditionell eben die Frauen.

Als ich an einem Nachmittag zufällig mitbekomme, wie sie auf einer grünen Luftmatratze hinter dem Tisch schläft, an dem sie die neuen Gäste empfängt, muss ich an eine ehemalige Kollegin denken. Ob die Abende in der Agentur oder ihre geliebten Party Nächte in den Clubs der Stadt – eines von beiden war immer lang, und so verbrachte sie die Mittagspause oft einfach zusammengerollt unter ihrem Schreibtisch und schlief.

Cha Cha dagegen verbringt nicht nur ihre Mittagspause, sondern auch ihre Nächte hier. Ebenso wie die Jungs des Homestays, die versteckt auf den gestapelten Bambusmöbeln in den Strandhütten schlafen und die man nur entdeckt, wenn man schon vor sieben Uhr unterwegs ist. So wie ich zum Beispiel. Mit dem frühen Einbruch der Dunkelheit kommt hier nämlich auch der persönliche Einbruch. Die Tage sind voller Eindrücke, Erlebnisse und neuer Vokabeln, sodass der Kopf dem Körper signalisiert, dass es Zeit wird runterzufahren und neu zu booten. Das frühe Schlafen gehen wiederum führt dazu, dass man bereits wieder mit den ersten Sonnenstrahlen gegen sechs aufwacht.

Also sitze ich frühmorgens mit meinem Laptop am Strand, lese, schreibe Mails und frage mich, wo meine Kreditkarte seit über einer Woche abgeblieben ist und ob ich anfangen soll, mir deswegen Sorgen zu machen. Solche Probleme unterwegs tauchen nicht zum ersten Mal auf. Ich habe auf Fidschi schon aus Versehen meine gültige Kreditkarte zerschnitten, meinen Pass in Bangkok am Flughafen verloren (ich bin dann eine Woche ohne Probleme mit meiner Versicherten Karte der Krankenkasse weitergeflogen) und habe einen anderen Pass auf eine anderthalbstündige Rundfahrt auf dem Gepäckband durch die Katakomben des Hamburger Flughafens geschickt. Aber mit dem Wissen, dass es bisher irgendwie immer gut ausgegangen ist, beschließe ich, dass ich zu faul dazu bin, mir einen Kopf zu machen und widme mich wieder meinen Mails. Dennoch spüre ich dieses Gefühl irgendwo ganz tief in meinem frisch neugestartetem Kopf, dass leise „Luxusproblem, exquisites Luxusproblem“ ruft, und das nicht besser wird als ich zu den neben mir auf den Bambusliegen schlafenden Jungs schaue, die  gerade mal ein paar Euro am Tag verdienen.

Aber tatsächlich, nachdem ich später den Rucksack nochmal auf den Kopf stelle, finde ich die Kreditkarte in der Tasche einer Hose. In einer Hose, die ich bisher nur einmal anhatte. Ich begutachte den restlichen Kleiderstapel, der ausgepackt auf dem Bett liegt. Das soll ich alles wieder einpacken und durch die heiße indonesische Sonne schleppen? Und so beschließe ich kurzerhand auszusortieren. Mit einem Stapel langärmliger Oberteile gehe ich am letzten Morgen zu Cha Cha. Ein bisschen unsicher bin ich. Ist es unhöflich ihre meine alte Kleidung zu schenken, wie wird sie wohl reagieren? Aber alle Sorgen sind umsonst. Cha Cha freut sich, wie nur sie es kann auf ihre liebliche Art und drückt die Tüte mit der Kleidung ganz fest an ihre Brust.

Als wir eine Stunde später Richtung Boot aufbrechen wollen, steht Cha Cha an der Straße. In der Hand hält sie ein kleines, blaues Armband. „For you my friend“, sagte sie und knotet es mir um mein Handgelenk. „Auf Wiedersehen“. Und so bringt die kleine Indonesierin mein Herz zum Hüpfen. Ich kann es ganz deutlich spüren. Cha Cha Cha.

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