17/10/15 Smile first

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„If you have good thoughts, they will shine out of your
face like sun beams and you will always look lovely“

Roald Dahl

Mittlerweile habe ich es verstanden. Du bist schüchtern. Aber nach nun fast zwei Wochen hat mir heute ein betrunkener Pole aus Warschau dein Geheimnis verraten, liebes Bali.

„Es ist das Lächeln“, erklärt Piotr mir lallend, während er in der einen Hand eine große Flasche Bintang Bier hält und sich mit der anderen zur Sicherheit an einem Stuhl festhällt. Es ist erst zwei Uhr mittags und der Pole, der ein Auslandssemester in Jakarta macht, bereits ziemlich betrunken.

Vielleicht liegt es am leckeren Bingtang Bier, dass hier standardmäßig in einer 0,6 Liter Flasche ausgeschenkt wird, vielleicht hat er aber auch schon etwas Arrak genippt, ein aus Palmsaft, Reismaische oder Zuckerrohr destilierter Schnaps mit fast 50 % Alkohol Anteil, den die Balinesen gerne als Longdrink („Arrak Attack“) gemischt mit Cola trinken. Auf jeden Fall steht da mitten am Nachmittag dieser betrunkene Kerl und lüftet das Geheimnis, über das ich die letzten Tage soviel nachgedacht habe.

„Du muss nur lächeln, dann lächeln sie zurück.“

Und so probiere ich seinen Rat aus. Gehe durch die Straßen und verschenke Lächeln ohne vorher selbst eins bekommen zu haben. Und siehe da, es ist als würde man einen Schalter bei den schüchternen Balinesen umlegen.

Am Nachmittag machen wir einen Ausflug über Gili Air. Das geht wieder nur per Fahrrad über den einzigen, sandigen Weg, parallel zum Meer. Nach einer Dreiviertel Stunde hat man bereits die ganze Insel umrundet. Es ist unglaublich warm, die Sonne scheint das Gehirn zu braten. Ich beschließe am Straßenrand einen Hut zu kaufen um meinen Kopf vor der Sonne zu schützen.

Und so treffe ich auf Huria. Huria, deren Name so abgefahren und fast ein bisschen anstößig klingt, kommt eigentlich von Lombok, der großen Insel östlich neben Bali. Huria ist alles andere als typisch balinesisch. Genau wie ich hat sie Lust zu quatschen und ein bisschen herum zu albern. Wir gleichen die typischen balinesischen Fragen (Wo kommst du her? Wo willst du hin? Hast du Kinder?) ab und feilschen um den Preis für einen Hut. Hut heißt auf balinesisch Tofi, lerne ich. Huria ist ganz entzückt, als ich ihr erkläre, dass Toffee auf englisch eine Art Süßigkeit ist und ich somit als gerade eine Süßigkeit für meinen Kopf, Head Candy, gekauft habe.

Das wiederum erinnert sie daran, dass sie auch noch etwas Süßes hat. Etwas Süßes in Flaschen. Sie greift unter den Tresen und zückt eine alte Plastikwasserflasche, die mit einer trüben, gelben Flüssigkeit gefüllt ist. „You try“, fordert sie mich auf und reicht mir einen Schluck zum Probieren aus dem Deckel. „My family in Lombok made it“, erklärt sie weiter und strahlt. Der Geschmack lässt sich wohl irgendwo zwischen leicht gegorenem Apfelsaft, Reisessig und einem Hauch von Gülle einordnen. Aber das fällt mir nicht auf. Ich habe viel zu viel Spaß daran mit Huria herumzualbern. Und so lege ich auf den eben heruntergehandelten Preis des Huts doch wieder etwas drauf und kaufe eine kleine Flasche. Zurück im Homestay packe ich die Flasche aus und nippe erneut daran. Mein polnischer Bekannter würde es wahrscheinlich mögen, aber wenn ich ehrlich bin, schmeckt einfach scheußlich. Ich muss wieder lachen. Und das war es wert.

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