15/10/15 Find the good in „goodbye“

12118958_10207467050092551_2019015277907173052_n

„Was bedeuten, die weißen und roten Regenschirme, die überall hängen?“, frage ich Goh, der mich den Weg vom Strand durch die heißen engen Gassen zu einer freien Unterkunft führt.

„Wir feiern die Freiheit Indonesiens“, erklärt Goh mir.

Gefeiert wird auf Gili Trawangan rund um die Uhr, aber ich bezweifle, das es dabei nur um die Freiheit Indonesiens geht. Surreal. Das ist wohl das beste Wort, das mir zu dieser Insel einfällt. Es ist ein bisschen so wie ein lila-orangefarbenes T-Shirt zu tragen. Nicht schön, aber doch irgendwie eine eine merkwürdige Weise abgefahren. Party meets Islam. So könnte man das faszinierende Treiben hier wohl am besten beschreiben.

Im Gegensatz zum restlichen Bali sind die Bewohner hier muslimisch. Um fünf wird man zum ersten Mal vom Muezzin geweckt, am Nachmittag drängeln sich Touristinnen in kurzen Shorts an Einheimischen in Kopftüchern vorbei. Es gibt keine Autos, noch nicht mal Motorroller, dafür aber jede Menge Fahrräder und Pferdekutschen, die sich durch die engen und staubigen Gassen drängeln und manchmal echte kleine Staus erzeugen. Das Geräusch der an den Pferden befestigten Glöckchen sorgt für regelrechte Weihnachtsgefühle, die sich aber wiederum mit der wummernden Popmusik und der brütenden Hitze beißen. Es riecht nach Pferdemist und frisch gebratenem Fisch, die vielen kleinen Läden verkaufen Schnorcheltouren oder Magic Mushrooms.

Das ganze Ausmaß der Surrealität wird am Abend erreicht. Dann füllt sich die Strandpromenade erst richtig mit Leben. Die kleinen Balinesen versuchen, gegensätzlich ihrer natürlichen Art, die Touristen in die Läden zu locken, in den Restaurants sitzen die Paare nebeneinander und starren auf ihre Handy Displays, die ersten Männergruppen spielen bereits Bier Pong.

Auf einmal fühle ich mich wieder wie während den Disco Nächten zu Abi Zeiten. Ich bin gelangweilt und fühle mich nicht wohl. Und genau wie damals in der Disco frage ich mich plötzlich wieder: Was mache ich hier eigentlich? Also biege ich, mit der Hoffnung auf einen ruhigeren Ort für das Abendessen, in eine Seitenstraße ab.

Und dann wird es von einem Moment auf den anderen zappenduster. Die ganze Insel ist stockdunkel. Das einzige was jetzt noch Licht spendet sind die Sterne am Himmel. Die Geräusche sind verstummt. Fast, denn im nächsten Moment fängt es neben mir herzergreifend zu brüllen an. Etwas berührt meine Beine, umarmt meine Oberschenkel. Ich leuchte mit der Taschenlampe meines Handys und sehe einen kleinen Jungen und seine noch kleinere Schwester, die sich sich verzweifelt und panisch schreiend an mir festklammern.

Ich hatte eigentlich angenommen, das balinesische Kinder mit Stromausfällen vertraut sind, aber die beiden die da an mir klammern, sehen das anscheinend anders. Oder auch nicht, denn als sie im Schein der Taschenlampe erkennen, dass ich nicht ihre Mutter, sondern ebenfalls nur eine dahergelaufene Touristen bin, renne sie auf einmal noch lauter schreiend davon. Kindermund tut Wahrheit kund. Und da wird mir klar, dass es das ist, was ich am liebsten auch machen würde. Laut schreien und weglaufen. Wenn ich ehrlich bin, will ich gar nicht hier sein. Das ist hier nichts für mich, egal ob damals oder heute.

Und das mache ich dann am nächsten Tag auch. Mit einem kleinen Boot geht es Richtung Gili Air, der letzen der drei Gili Inseln. Und während Gili Trawangan in der Ferne zu einem immer kleineren Punkt wird, denke ich, dass ich sehr froh bin einfach gegangen zu sein. Und auch ein kleines bisschen, dass ich nicht mehr 18 bin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s