13/10/15 Hit the road

bridge

Happiness ist found on the way
not at the end of the road

Komm, lass uns einen Roatrip machen! Wir mieten einen Motorroller und fahren einfach los, kreuz und quer über Nusa Lembongan. Wir halten an wo es uns gefällt, fühlen den warmen Sand unter unseren Füßen, fangen die Magie des Ortes ein und sammeln Geschichten. Verfahren kann man sich hier eh nicht, bei einer Inselgröße von acht Quadratmetern stößt man zwangsläufig nach ein paar Minuten immer wieder an einem Ende aufs Meer. Der Weg ist das Ziel.

Schnell noch etwas Benzin bei der kleinen Balinesin am Stand aus der Absolut Wodka Flasche in den Tank geschüttet und ab geht es über die schmalen Straßen der Insel. Zwei Autos passen hier kaum aneinander vorbei, aber die gibt es hier eh nicht. Nur ein paar Tuk Tuks, die die Touristen und ihre Koffer nach der Ankunft mit dem Boot am Strand Richtung Unterkunft fahren. Und so sind die schlecht asphaltierten Schottenpisten voller knatternden Roller, die sich mehr oder weniger sicher in dem Geflecht aus kaputtem Asphalt flink über die Insel bewegen. Dicke Engländerinnen, die ausgerechnet auf den Straßen völler Schlaglöchern ihre ersten Fahrversuche auf einem Scooter machen, überholen zierliche Balinesinnen, die mehrstöckige Kunstwerke aus Obst, Blüten und Fantadosen Richtung Tempel transportieren. Ganz Großfamilien drängeln sich zu dritt oder viert auf einem Roller, während kleine Jungs, denen man eher ein ferngesteuertes Auto als einen Motorroller zum Spielen geben würde, ganz alleine unterwegs sind. Und dann sind da noch die Mischformen aus Tourist und Inselbewohner, die Surferjungs, die man an ihrer mutiger Fahrweise, den ausgeblichen Haaren und dem an Roller befestigen Surfboard erkennt. Die Insel ist Paradebeispiel an Coexistenz und die Straßen sind die Adern, die alles miteinander verbinden.

Also auf, lass uns in Jungutbatu Beach starten, dem Herzen der Insel. Hier an der Promenade reihen sich die Restaurants und Tauchläden wie an einer Perlenkette aneinander.  Parallel dahinter gehen die Einheimischen in aller Ruhe ihrem spirituell geprägten Alltag nach, während auf dem Meer die Chinesen in ihren leuchtenden Schwimmwesten auf den Bananaboats um die Wette quiecken. Spürst du wie heiß der schwarze Rollersitz ist, wie er sich beim Aufsteigen glühend heiß in die Unterschenke brennt? Also schnell ab Richtung Norden zur grünen Oase der Insel, dem Mangroven Wald. Ich schlage vor, wie mieten uns einen Fahrer, der uns mit einem Holzboot durch die verschlungene Sümpfe navigiert und unskichernd noch ein paar Wörter Indonesisch beibringt. Hörst du das Rauschen der Blätter, die Stille, die nur ab und zu von einem Vogelschrei unterbrochen wird?

Von hier aus geht es in Richtung Süden zurück. Die Sonne brennt wieder heiß vom Himmel, der Roller knattert, wir hüpfen durch die Schlaglöcher, weichen kleinen Sandhügel aus und nehmen es mit Gelassenheit, dass uns die Einheimischen ständig überholen. Wir passieren unzählige Tempel, aber vor diesem hier tobt das Leben. Unzählige Motoroller sammeln sich am schmalen Streifen zwischen Straße und Tempelwand, in weiß gekleidete Männer mit strömen von allen Seiten herbei. Welcher Feiertag wohl heute ist? Eine gute Frage, für dessen Beantwortung selbst die Balinesen oft die Hilfe eines Priesters hinzuziehen müssen.

Wir erreichen Dream Beach, wir wir uns bei beeindruckenden Wellen und starker Strömung nur bis zum Bauch ins Wasser wagen. Das strahlend blaue Wasser des indischen Ozeans ist trügerisch, ein Wolf im Schafspelz. Das wissen auch die Bewohner Nusa Lebongans, die die Klippen ein paar Minuten weiter ihren Namen gegeben habe. Unten brechen die Wellen in der Brandung und schleudern die Gischt, die Tränen des Teufels, die „Devils Tears“ bis weit nach oben.

Und dann geht es Richtung Hängebrücke, die Nusa Lembongan mit dem restlichen Teil der Insel verbindet. Mit Schwung hinauf und schnell über die wackligen Holzbohlen. Die Brücke hat ihre besten Tage hinter sich, aber dass nur zwei Roller auf einmal darauf fahren sollten, weil die Brücke nur noch 40 Prozent ihrer Tragfähigkeit hat, erzähle ich dir erst hinterher. Guck nach rechts aufs Meer! Siehst du sie dort, die riesigen Felder der Algenfarmer? Die Ebbe legt sie frei, in gebückter Haltung werden die Algen noch von Hand eingesammelt und vor allem für die asiatische Kosmetikindustrie genutzt. Noch vor zehn Jahren lebten die meisten Einwohner, wie auch Tao, hier von ihren Seetnagfarmen, bis sie nach und nach immer mehr in die aufkommende Tourismusbranche wechselten.

Wir umrunden die Halbinsel, obwohl überqueren wohl eher das richtige Wort ist. Manche Steigungen erklimmt der ächzende Roller nur nach vorne gebeugt. Ich sage dir, morgen wirst du jeden Knochen spüren! Mittlerweile ist es schon fast sechs, in einer halben Stunde wird es dunkel. Hast du auch Hunger? Lass uns in einem der vielen Warnungs Halt machen, den kleinen  Restaurants der Einheimischen am Straßenrand.

„Greif zu beim großen Glücksangebot, das buchstäblich auf der Straße liegt“, schrieb mir meine Tante vor Abfahrt. Nun, ich glaube nirgendwo könnte dieser Spruch mehr gelten als auf Nusa Lembongan. Und so genießen wir selig durchgeschüttelt frisch gefangenen Thunfisch vom Grill, während sich im Hintergrund die eingängigen Melodien der Shania Twain Schnulzen mit hinduistischen Tempelgesängen mischen und die unterwegs gesammelten Geschichten langsam zu unser Geschichte wird.

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