10/10/15 See the souls

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Our beliefs are rooted deep in our earth, no matter what you have done to it and how much of it you have paved over. And if you leave all that concrete unwatched for a year or two, our plants, the native Indian plants, will pierce that concrete and push up through.

John Fire Lame Deer

Während ich um sieben Uhr morgens in den Hügeln Nusa Lembongans sitze und in einem balinesischen Homestay von der Frau des Besitzers kleine Bananenpfannkuchen zum Frühstück serviert bekomme, ist der alte Tao schon fleißig damit beschäftigt mit einem Tablett voll mit Opfergaben durch den Garten zu laufen und sie nach und nach überall zu verteilen. Dieses schöne Ritual (das hier wirklich noch für die Götter und nicht für die Touristen bestimmt ist), erinnert mich ein bisschen an Ostereier verstecken. Nur eben jeden Tag und ganz offensichtlich.

 Auf der Straße, vor den Tempeln, am Strand oder direkt vor der Haustür, überall finden sich in kleinen, gefalteten Schachteln aus Bananenblättern gefüllt mit Blüten, Räucherstäbchen, Münzen, Keksen oder auch mal einer Zigarette. Sinn und Zweck dieser kleinen Opfergaben ist es die Götter bei Laune zu halten.

Gemessen an der Anzahl der unzähligen kleinen Opfergaben, müssen die Götter auf Bali ziemlich gute Laune haben. Gute Laune haben wohl auch die (im Vergleich zu ihren Verwandten aus Europa) schlanken Tauben, die die Opfergaben, kaum das sie aufgestellt sind, seelenruhig zerpflücken, nach den Crackern picken oder mit kleinen Blätterzweigen davonfliegen. Die Balinesen stört die aktive Mitarbeit der Vögel wenig, denn nach ihrem Glauben zählen auch sie als Teil des beseelten Kosmos dazu.

Die offizielle Religion der Balinesen ist der Hinduismus. Aber durch die vielen animistischen Elemente weicht der Glaube vom indischen Hinduismus ab. Das Wort Animismus lässt sich aus dem lateinischen Wort anima ableiten, was soviel bedeutet wie Hauch, und somit ziemlich genau die Vorstellung dahinter beschreibt. Demnach ist die Welt voller Seelen und nur ein paar davon sind Menschen, denn in jedem Stein, jeder Blume, jedem Ort oder auch eben jeder Taube, findet sich eine eigene Lebenskraft.

Und so verehren die Balinesen neben den Göttern Brahma, Shiva und Vishnu, die Götter der Vorfahren und Dorfgründer eben auch die Gottheiten der Erde, des Feuers, des Wassers und der Berge. Was für ein schöner Gedanke, der die ganze Welt mit einem Mal spirituell auflädt und eben dieser spirituellen Welt zur eigentlichen Realität werden lässt.

Ich denke gerade darüber nach, ob die Opfergabe am Strand dann gezielt für die Gottheit des Wassers bestimmt ist, als ein Schrei ertönt.

„Ein Drache, ein Drache!“, brüllt es aus einem Zimmer im vorderen Teil des Gartens. Tao, der gerade ein weiteres Bananenblattschälchen vor einem kleinen Tempel abgestellt hat, steht auf und geht, ebenso wie einer seiner Söhne, in Richtung Geschrei. Dort steht eine Touristin und deutet an die Wand, an der ein dicker Gecko klebt. Taos Sohn scheucht das kleine Reptil mit einem Besen weg und beruhigt die Touristin.

Und während ich da so sitze und die letzen Reste meines Pfannkuchens esse, frage ich mich, ob ihr wohl klar ist, dass sie soeben nicht vor einem Monster gerettet wurde, sondern eine Seele verscheucht hat…

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