28/09/15 Explore

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sky above me
earth below me
fire within me

Die Komfortzone ist weich wie Gänsedaumen, warm wie eine Wärmflasche und gemütlich wie ein Lammfell. Dick eingepackt liege ich da, unter mehreren Schichten Decke. Der Moment könnte nicht besser sein. Nichts stört oder fehlt mir zu meinem Glück. Ich bin die Prinzessin ohne Erbse.

Ohne Erbse, dafür aber mit einem Handy. Und der Alarm eben dieses Telefons reißt mich plötzlich aus dem Schlaf. Es ist dunkelt draußen. Kein Wunder, ist es doch erst kurz nach vier. Oh man, bin ich müde. Die Schläfrigkeit liegt auf meinen Augenlidern wie kleine Bleiplättchen. Ich drehe mich auf die andere Seite und ziehe das Kissen über den Kopf. Zwecklos, denn das schrille Klingeln des Alarms steigt langsam an.

„Aufstehen“, ruft eine Stimme in mir euphorisch und versucht mich begeistert, wie ein Fünfjähriger am Sonntagmorgen seine Eltern, wachzuschütteln.

„Definitiv weiterschlafen“, insistiert die andere Stimme. „Was für eine ausgemachte Schnapsidee das Bett zu verlassen… Draußen ist es kalt, dunkel und es gibt keinen Grund warum du aus dem Haus gehen solltest.“

Das stimmt nicht so ganz. In dieser Nacht ist eine Super-Mondfinsternis am Himmel zu sehen. Einen Supermond gibt es, wenn der Mond der Erde näher als sonst kommt und dieser Zeitpunkt auch noch auf eine totale Mondfinsternis fällt. Dabei stehen Sonne, Erde und Mond in einer Reihe. Weil sich der Mond im Schatten der Erde befindet, trifft ihn kein Licht. Doch die Atmosphäre bricht das langwellige rote Sonnenlicht und streut es in den Schattenreich. Ein Ereignis, das erst wieder 2033 stattfinden wird. Beim letzten „Blutmond“ war ich noch nicht einmal geboren. Also überwinde ich mich, schnappe mir meinen Mantel und gehe raus.

Und da ist er. Ich brauche gar nicht lange suchen. Kupferrot strahlt er in der Dunkelheit am Himmel wie ein dicker Champagnertrüffel. So offensichtlich und doch so besonders.

In meiner Vorstellung ist die Nacht einfach nur eine dunkle, eine Art Winterschlafartige Version des Tages. Jemand macht das Licht aus, alles läuft auf Sparflamme. Fertig. Aber ist das wirklich richtig? Was passiert da draußen eigentlich alles, während wir schlafen, frage ich mich. Was wechselt außer dem Mond noch die Farbe? Was bewegt sich? Was taucht nur während der Nacht auf? Wie diese Art von Ideen, die man vorzugsweise nachts hat. Als würde jemand lauter kleine Zettelchen mit Ideen von oben schmeißen. Leider dämmere ich meistens in der Nacht in meiner gemütlichen Komfortzone namens Bett vor mich hin, unfähig einen dieser Zettelchen wahrzunehmen, geschweige denn zu greifen.

Vielleicht ist das mit der Nacht so wie mit dem Verlassen der kuscheligen Komfortzone eines Bettes. Man muss sich überwinden, aber wenn man das tut, erlebt man auf einmal Dinge, die man sich nicht hätte vorstellen könne. Und bevor hier jemand gleich laut aufschreit an dieser Stelle nochmal ein paar Worte zum Thema „Komfortzone“. Jeder von uns kennt wahrscheinlich die gängigen Sprüche, die einem ein richtig beklemmendes Gefühl bescheren können. Ja, in der Mitte ist es am kuscheligsten, die aufregenden Dinge passieren nur am Rand und so richtig beginnt das Leben sowieso auch erst meilenweit von diesem entfernt. Das mag ja alles auch richtig sein. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir unsere Komfortzone brauchen. Die Komfortzone ist unsere kleine Festung, in der wir uns geborgen und beschützt fühlen. Der Ort an dem wir immer wieder zu Ruhe kommen können. Der Ort an dem wir uns nicht sorgen müssen, weil wir in Sicherheit sind.

Die Komfortzone ist die Kommandozentrale für unser Leben. Sie ist unser gemütliches Zuhause zwischen Bewerbungsgesprächen, Kundenterminen und Gehaltsverhandlungen. Sie ist der Ort an dem wir in Jogginghose herumlaufen können, sie ist der geliebte langweiliger Alltag mit den immer gleichen Abläufen wenn wir von einer aufregenden Reise zurückkehren. Unser Wissen um die Fähigkeiten, die wir bereits haben wir wir etwas Neues lernen und zwischendurch daran verzweifeln. Ohne Komfortzone würden wir durchdrehen weil es uns an Sicherheit, Ruhe und Stabilität fehlen würde. Es gibt also viele Dinge die für die Komfortzone sprechen.

Aber so wir den Rhythmus von Tag und Nacht brauchen, brauchen wir eben auch die Abwechslung aus Gewohntem und Neuem. Und so gehe ich zurück nach Hause und kuscheln mich wieder in mein Bett. Dankbar für diesen vertrauten Ort, aber mehr als bereit ihn bald für das nächste Abenteuer Richtung Indonesien zu verlassen.

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