12/05/14 Meet Phil

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Phil ist ein Londoner wie aus dem Bilderbuch. Er ist Ende zwanzig, cool, witzig, raucht in einer Tour und hat einen charmanten britischen Akzent. Sein Lieblingswort um Dinge zu beschreiben ist sweet.

Seinen rechten Unterschenkel ziert ein riesengroßes, buntes Tattoo. Ein Plattenspieler, ein Frauenkopf, ein Heißluftballon und unzählige Muster und Farben. Die Dorfbewohner lieben das farbenfrohe Suchbild. Immer wieder erklärt er ihnen geduldig die bunten Motive.

Und sie lieben seinen Gesang. In einem Dorf in dem jedem Abend in einem anderen Haus zusammen gesessen und gesungen wird, kommen seine musikalischen Fähigkeiten und das Gitarre spielen besonders gut an. Nächtelang sitzt er mit den Dorfbewohnern zusammen, singt und lernt fleißig fidschianisch.

Phil ist ein positiver Mensch. Jeder genießt seine Gegenwart. Eines Tages gehen wir zusammen von der Schule zurück. Ich will von ihm wissen, was es ist, dass ihn zu so einem fröhlichen Typ macht.

„Weißt du“, sagt er. „Ich habe lange gebraucht um das zu verstehen. Ich wollte immer glücklich sein, aber gleichzeitig auch cool und auf keinen Preis meine Schwächen zeigen. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass das so nicht funktionieren kann. Man kann das Universum nicht reinlegen und Gefühle lassen sich nicht selektieren. Die Medaille hat immer zwei Seiten und je mehr man eine Seite ablehnt, desto weniger bekommt man auch die andere Seite.“

Er erzählt mir von seiner Zeit in London als Lehrer. Am Anfang hatte ihm der Job noch Freude gemacht, aber im Laufe der Zeit verlor er immer mehr den Spaß daran. Er war unglücklich und einsam. Seine Frauenbekanntschaften stieg proportional zu seinem Alkoholkonsum. Nächtelang verbrachte er damit mit Freunden um die Häuser zu ziehen um das komische Gefühl zu betäuben.

Das komische Gefühl wurde nicht besser. Im Gegenteil. „Guck“, sagt er und kneift in seinen Bauch. „Das Bier trinken hat mir nichts außer einer Wampe gebracht. Sport habe ich schon seit Jahren nicht mehr getrieben. Ich habe es so satt. Ich habe keine Lust mehr auf sinnlose One Night Stands. Ich will meine Unsicherheit und meine Fehler mit jemanden teilen. Ja, ich will eine richtige Beziehung.“

Ich bin tief beeindruckt von soviel Ehrlichkeit. Es gehört sehr viel Mut dazu sich einem fremden Menschen gegenüber zu öffnen. Vielleicht muss man manchmal nur etwas mutiger sein und die eine Seite der Medaille so annehmen wie sie ist. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass man dann auch die andere Seite bekommt…

Als ich ein paar Tage später am Fluss spazieren gehen sehe ich auf einmal Phil. Er ist nicht alleine. Dicht neben ihm sitzt Natalie aus Wien. Sie küssen sich.

 

 

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