09/05/14 Come back

969489_10203250477200864_43646936_n
Ich bin auf einem merkwürdigen Planet gelandet. Er heißt Zivilisation. Die Zeit in Silana ist vorbei und ich verbringe meine erste Nacht in einem 4er Zimmer in einem Hostel in Nadi.

Die kühle Luft der Klimaanlage kommt mir schon beim Öffnen der Zimmertür entgegen. Vorsichtig streiche ich über die weißen Bettlaken, beuge mich vor und schnuppere am ebenfalls blütenweißen Kopfkissen. Kein muffiger Geruch, keine Spinnen, keine Frösche, keine Rattenscheiße. Nichts.

Ich gucke mich in meiner ganzen Größe in einem Spiegel an. Was für ein merkwürdiges Gefühl. Die Dusche ist eine gewöhnliche Hosteldusche, aber ich fühle mich wie im Wellnessbereichs des Atlantics. Warmes Wasser. Wasserdruck. Fliesen und eine Tür. Vergebens versuche ich den Dreck von meinen Füßen zu schrubben. Den roten Lehm unter den Fußnägeln, die Reste der grünen Farbe auf dem Spann vom Streichen der Klassenzimmer.

Danach kuschle ich mich in ein weiches Handtuch. Jeder Wassertropfen wird im Gegensatz zu den ledernen Reisehandtücher sofort aufgesogen. Ich stopfe meine Sulus und T-Shirts in meinen riesigen Wäschebeutel und schlüpfe in ein paar kurze Shorts und ein Top. Hallo Westen. Jetzt heißt es wieder Haut zeigen.

Als ich den Beutel mit meiner Wäsche in der Wäscherei abgeben entschuldige ich mich dreimal bei den freundlichen Frauen und versuche ihnen in einer Mischung auf englisch und fidschianisch den unerträglichen Geruch zu erklären.

Zwei Tage später reise ich weiter nach Savu Savu. Ich beziehe des untere Etagenbett im 6er Zimmers des Hotels und genieße die Tatsache, dass ich anscheinend der einzige Gast bin. Zum ersten Mal seit fast vier Monaten werde ich wieder alleine in einem Zimmer schlafen. Aufregend.

Ich liege schon im Bett als die Tür aufgeht. Ein dürrer Typ Ende zwanzig kommt herein. Frederic aus Kanada. Ich stelle mich vor und sage ihm, dass er sich ein Bett aussuchen kann. Wir unterhalten uns eine Weile. Er setzt sich auf meine Bettkante und erzählt ausschweifend von seinem Tanz Studium und nachhaltigem Umweltschutz. Nach einer halben Stunde weise ich ihn höflich darauf hin, dass ich sehr müde bin und jetzt schlafen möchte.

Im Dunkeln sehe ich noch wie er es sich im Schneidersitz für seine angekündigte Meditation auf dem Fußboden bequem macht. Dann schlafe ich ein. Eine halbe Stunde später wache ich dadurch auf, dass mich jemand immer wieder antickt. Es ist Frederic. Er kniet direkt vor mir und schaut mir im Dunkeln in die Augen.

„Du hast doch gesagt ich kann ein Bett aussuchen. Nun, ich möchte ich deinem Bett schlafen“, sagt er. Ich brauche einen Moment um die Situation zu realisieren. Dann fange ich an ihn wüst zu beschimpfen. „Aber du riechst so gut“, erklärt er fast entschuldigend und zieht sich in sein eigenes Bett zurück.

Willkommen zurück im Land der parfümierten Shampoos und Aromaduschgels! Und ich hatte schon befürchtet, dass ich den Geruch des Dorfes nie mehr loswerden.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s