03/05/14 Take off your watch

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„The work will wait while you show the child the rainbow,
but the rainbow won´t wait while you do the work.“
Chinese proverb

Eines meiner liebsten Phänomene der Insel heißt Fiji Time. Fiji Time ist eine Einheit die sich beliebig von ein paar Minuten über mehrere Wochen ausdehnen kann.

Man steht um halb fünf auf um den Bus um fünf zu nehmen und er kommt um sieben? Fiji Time! Die Kirche beginnt um zehn, aber man trudelt erst gegen elf ein, weil man ausschlafen wollte? Fiji Time! Der Bau der Bücherei verzögert sich um drei Wochen obwohl die Materialien seit Wochen bereit liegen, weil die Männer des Dorfes Besseres tun tun haben, wie zum Beispiel mit Freunden im Schatten zu sitzen? Fiji Time! Man wartet eine halbe Stunde vor dem Supermarkt, weil er aus unerfindlichen Gründen mitten am Tag geschlossen ist? Fiji Time! Die Versammlung in der Community Hall ist für fünf angesetzt, aber vor sieben taucht keiner auf? Fiji Time! Die Lehrerin erscheint erst am Dienstag wieder in der Schule auf, weil sie noch Verwandte besuchen wollte? Fiji Time!

Am Anfang hat Fiji Time mich verrückt gemacht. Ich bin deutsch. Ich bin pünktlich. Meine Lieblingsschmuckstück ist meine goldene Uhr mit Displays für gleich zwei Uhrzeiten. Ich bin Experte darin andauernd die Zeit im Auge zu behalten, ständig den nächsten Schritt in der Zukunft zu planen und dabei den Moment völlig aus dem Augen zu verlieren.

Meine Uhr habe habe ich nun seit zwei Monaten nicht mehr getragen. Am Anfang schien das glitzernde Ding in der Schule einfach fehl am Platz. Jetzt fühlt es sich falsch an. Eine goldene Handschellen die mich an eine andere Einheit kettet.

Benjamin Franklin prägte im 18. Jahrhundert den Ausdruck „Zeit ist Geld“. Damit knüpfte er die Einteilung der Zeit an die Anhäufung von Geld, was der Zeit ihren eigentlichen Sinn nimmt und mittlerweile zu einem der größten Probleme der Gegenwart führt. Im Rausch der Ansammlung verpassen wir unser eigenes Leben.

Fiji Time ist wie ein Zaubertrick, der kleine schwarzen Löcher jenseits der Zeit schafft und einen umso mehr bewusst in der Zeit leben lässt. Es gibt keinen Unterschied zwischen wichtiger und unwichtiger Zeit. Denn es kommt nicht darauf an, was man alles macht, sondern ob und wie man da bist.

Sicher, es ist unmöglich sich völlig von der Zeit loszusagen. Es gibt Momente in denen es unablässig ist sich an Uhrzeiten zu halten.  Aber wir können versuchen unsere Beziehung zur Zeit zu ändern und sie anstatt eines Sklaventreiber wie einen Freund zu sehen.

Unsere Zeit ist ein Geschenk des Himmels und es liegt an uns, was wir daraus machen. Gib deine starren Zeitpläne auf. Sei da. Schaffe Spielraum für die kleinen wunderbaren Momente, die auftauchen wenn du ihnen Raum gibst.

Der Bus wird schon irgendwann kommen. Aber was kann schon schöner zu sein, als solange an der Haltestelle mit einem Fremden zu scherzen?

 

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