01/05/14 Get connected

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„Create a life that feels
good on the inside,
not one that simply looks

good from the outside“

Ich habe 354 Facebook Freunde. Auf Facebook habe ich die Sichtbarkeit meine Freundesliste ausgestellt. Sie ist mir peinlich. Kein Mensch hat soviel Freunde. Von weit mehr als der Hälfte kenne ich noch nicht mal den Nachnamen, ein Viertel übt eine Mischung aus Fremscham und merkwürdigem Voyeurismus aus, ein Viertel finde ich einfach blöd und für den Rest meiner wirklichen Freunde brauche ich nicht die digitale Bestätigung eines amerikanisches Großkonzerns um mir unserer Freundschaft sicher zu sein. Die meisten wurden schon in Krabbelgruppen und Schulklassen geschlossen. Zu Zeiten in denen nicht nur Mark Zuckerberg, sondern auch das Internet noch laufen lernte.

Mittlerweile macht Facebook mir Angst. Das vermeintliche Netzwerk ist alles andere als sozial. Im Gegenteil. Es führt dazu, dass wir uns immer mehr zurückziehen. Ein soziales Netzwerk bedeutet für mich der ehrliche Austausch mit anderen Menschen im echten Leben. Sich so zu zeigen wie man auch in den Momenten ist, die keinen Post wert sind. Verletzlich. Einsam. Traurig. Auch auf die Gefahr hin, dass andere uns daraufhin ablehnen könnten.

Wir haben verlernt wie das geht. Stattdessen bewegen wir uns jeder in seiner eigene Blase durch die Welt, möglichst bemüht mit niemandem zusammenzustoßen. Unsere Schutzschilder sind Smartphones und Kopfhörer, die für den nötigen Abstand sorgen, unsere stärkste Verbindung das WLAN Netz. Und so schwirren wir wie kleine Atome umher und reflektieren das Licht der schönen, neuen, digitalen Welt die uns umgibt um ja keinen Einblick in unser Inneres zu gewähren.

Facebook ist unsere digitale Schokoladenseite. Wir drehen und wenden uns bis wir im rechten Licht stehen. Da wir alle so damit beschäftigt sind merken wir gar nicht, dass wir die Einzigen sind, die sich in der Frontkamera unseres IIphone wirklich spiegeln. Lang lebe das Duckface.

Wir lassen uns vom aufregenden Leben der anderen stressen, obwohl wir insgeheim gar nichts dagegen haben Freitag Abend zuhause zu bleiben und die Dusche zu schrubben. Und ja, wir wissen, dass wir ohne Make up und Instagram Filter ziemlich durchschnittlich aussehen.

Fidschi ist das Paradebeispiel eines sozialen Netzwerks im echten Leben. Das Wichtigste für einen Fidschianer sind seine Wurzel und jeder ist stolz darauf ein Kau Vita, ein Fidschianer zu sein. Fidschi besteht aus 333 in Mitten des Pazifiks verstreuten Inseln, aber das stört das Gemeinschaftsgefühl in keinster Weisen. Jeder hat unzählige Verwandte auf anderen Inseln und in anderen Dörfern. Fidschianer halten zusammen und das schließt auch Kavalani, Ausländer, ein wenn sie in ein fidschianisches Dorf ziehen. So kommt es, dass ich innerhalb eines Tages – ohne eine einzige Freundschaftsanfrage – einen Vater, eine Mutter, sechs Geschwister und unzählige Freunde geschenkt bekomme.

Silana hat nur knapp 200 Einwohner – weniger als ich Facebook Freunde habe – aber nach einem halben Tag kennt das ganze Dorf meinen Namen und jeder Bewohner grüßt mich von nun an jedes Mal wenn ich vorbeilaufe. Anstatt Likes werden hier Umarmungen verteilt. Echte Umarmungen von meiner dicken fidschianischen Mama, die so fest sind, dass sie einem die Luft weglassen. Schöne Momente werden zusammen zelebriert. Wenn man sich sehen möchte, schaut man einfach vorbei.  Ein bisschen so wie früher, als man noch einfach bei anderen Kindern ohne Ankündigung zum Spielen aufgetaucht ist.  Vor dem Essen wird gebetet und der Familie gedankt anstatt ein Bild der Köstlichkeiten zu posten. Und Alter und Aussehen spielen hier erst recht keine Rolle. Ungeschminkt in Sulu und T-Shirt sieht eh jeder gleich aus.

Ich will zurück zu Wir. Deswegen habe ich lange überlegt ob ich meinen Facebook Account einfach löschen soll. Gerade beim Reisen ist es doch eine gute Möglichkeit in Verbindung mit Leuten zu bleiben, die man unterwegs trifft. Also beschließe ich, zumindest den Großteil meines Accounts zu löschen, meine Aktivitäten auf ein Minimum zu reduzieren und mich dem echten Leben wieder so zu zeigen wie ich bin.

Die Blase ist geplatzt. Alles auf Anfang.

 

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2 Gedanken zu “01/05/14 Get connected

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