08/04/14 Dream

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“You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.
I hope someday you’ll join us. And the world will live as one.” 

John Lennon

La hat einen Traum. Der Geruch steigt mir schon vor Betreten ihres Hauses in die Nase. La´s Traum duftet nach Karamellpudding und Schokolade.

Lanieta, kurz La, ist meine fidschianische Mom. Gemeinsam mit ihrem Mann Delai und den sieben Kindern wohnt sie in einer Hütte in Silana. Delai arbeitet tagsüber auf den Kasava Plantagen, während La sich um die Kinder und den Haushalt kümmert. La kommt ursprünglich von den Yasawa Inseln, was sie zu einer relativ modernen Frau macht. Denn im Vergleich zu vielen anderen Dorfbewohnern hat sie schon etwas von Fidschi gesehen. Aber auch sonst sind La´s Ansichten lockerer… Der Vater ihres jüngsten Sohnes Jai ist angeblich nicht Delai sondern Soci, munkelt man im Dorf und wenn man ein zweites Mal hinsieht, erkennt man unverkennbar Socis im Gesicht des Kleinen wieder.

La´s größter Coup in Sachen Emanzipierung aber, ist ihr eigenes kleines Unternehmen. Sie hat in zehn kleine Metallschälchen investiert und backt nun Pies für das ganze Dorf. Ein Pie kostet ein Dollar. Gemeinsam rechnen wir aus, dass sie etwa 80 Pies verkaufen müsste um die kaputte Waschmaschine reparieren lassen zu können oder ganze 900 um eine Neue zu kaufen. Das Business, wie La es nennt, ist gut angelaufen. Die Dorfbewohner kaufen und auch die Freiwilligen Helfer lieben ihre Pies. Wir überlegen zusammen wie wir das Geschäft noch weiter ankurbeln können und zeichnen ihr Flyer, die ich am nächsten Tag in der Schule kopiere.

Als ich La am nächsten Tag von meiner Freundin zuhause in Deutschland erzähle, die auch von einem eigenen Kuchenladen träumt ist sie ganz verzückt. Sie will alles über deutsche Kuchen wissen, welche besonderen Zutaten wir benutzen und ihrerseits die Rezepte für ihre Pies aufschreiben, damit ich sie an meine Freundin schicken kann um sie mit ihren fidischianischen Rezepten bei der Verwirklichung ihres Traums zu unterstützen.

Als ich ein kleines Mädchen war hatte ich eine Brieffreunde. Ohne uns je getroffen zu haben haben wir uns ausgetauscht und verbunden gefühlt, auch wenn sie unspektakulärer Weise nur in einem Dorf einige Kilometer von meiner Heimat gelebt hat. Hier, zusammen mit meiner Mom auf dem Fußboden ihrer Hütte, stelle ich auf einmal fest, dass es vielleicht so etwas wie Traumfreunde gibt.

Jeder von uns hat seine Wünsche und Träume. Oft scheinen diese unerreichbar und weit weg. Aber vielleicht hat auf der anderen Seite der Welt jemand genau den gleichen Traum wie du und glaubt fest an das gemeinsame Ziel. Und was ist schon die vergleichsweise kurze Entfernung zu einem Traum zwischen den 16.045,31 Kilometern zwischen Deutschland und Fidschi…

Für Caro

 

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