07/04/14 Drive someone crazy

10264931_10203337852665196_1317697325_n

 

Ein Schultag in der Silvana Primary School ist ein Belastungstest für alle Sinne. Es herrscht konstant eine unglaubliche Lautstärke. Ständig singt eine Klasse, spricht im Chor die Worte des Lehrers nach oder brüllt einfach ohne ersichtlichen Grund herum. Die Klassenräume befinden sich nebeinander und haben keine Türen, was dazu führt, dass die Kinder der verschiedenen Klassen sich gegenseitig während es Unterrichts besuchen. Wer schüchtern ist und wem es im eigenen Klassenraum zu langweilig geworden ist, bleibt einfach nur im Türrahmen stehen und beobachtet das Geschehen.

Für die fünf Mädchen und 12 Jungs der zweiten Klasse besteht Schuluniformpflicht. Die Jungs tragen hellblaue Hemden und schwarze Sulus, die Mädchen hellblaue Kleider. Jeder ist barfuß, sogar die Lehrer.  Die tropische heiße Luft mischt sich mit dem Geruch des matschigen, roten Lehms vor der Schule und dem Geruch von den Toiletten nebenan.  Es ist nicht klar zu erkennen was dreckiger ist. Der Fußboden oder die Hände der Kinder. Berührungsängste kommen erst gar nicht auf, den die Schüler fassen einen in einer Tour an, umarmen einen oder fordern ein High-Five ein.

Jede erzieherische Maßnahme scheint hoffnungslos. Während ich alleine vorne stehe und versuche entweder durch Autorität oder Ignoranz der Prügeleien um mich herum System in das Chaos zu bringen, drehen sich die Kinder noch nicht mal zu mir um und springen laut brüllend durch die Klassen.

Ich beschließe meine Chance zu nutzen über ein Dutzend glückliche Einwohner Fidschis vor mir zu haben und herauszufinden wie sie sich fühlen. Kennen fidischianische Kinde überhaupt das Wort gestresst? Hat man in einem Dorf, in dem man nach Eintreten der Volljährigkeit verheiratet wird überhaupt jemals Schmetterlinge im Bauch? Kennt man im Land wo das Glück dich findet überhaupt das Wort sehr traurig. Oder gibt es vielleicht sogar mehrere Wörter für glücklich, so wie die Inuits unzählige Wörter für Schnee haben?

Aber die Kinder interessierten sich nicht für meine pseudowissenschaftlichen Experimenten. Meine Arbeitsblätter mit Smiley Gesichter werden einfach willkürlich bemalt, die selbstgebastelten Bilder nach wenigen Stunden mit lautem Gejohle von de Wänden gerissen. Jede Stunde scheint eine Wahl zwischen Verzweiflung und jeder Menge Spaß zu sein.

Ein paar Tage später lese ich im Nachhilfeunterricht mit Bruce „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Bruce heißt eigentlich Raunge, hat aber eines Tages beschlossen, dass der Name Bruce viel besser zu ihm passt. Gemeinsam futtern wir uns durch alle Seiten, bis wir zu der Seite kommen an der die dicke Raupe sich in einen Kokon einpuppt und zwei Wochen schläft. Bruce blättert um. Auf der letzten Seite Seite erscheint ein wunscherschöner Schmetterling.

„Bird!“, ruft Bruce und strahlt mich übers ganze Gesicht an.

Ich schlage innerlich die Hände über dem Kopf zusammen. Und dann begreife ich: Das ist Fidschi. Sei glücklich, denn es macht die Anderen verrückt!

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s