06/04/14 Meet Anna

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„The person who says it cannot be done
should not interrupt the person doing it.“
Chinese proverb

Anna war es schon immer gewohnt hart zu arbeiten. Sie wuchs bei ihrer Großmutter in Russland auf bevor sie zum Studieren nach Amerika zog. Zwei Masterabschlüsse haben ihr einen Superjob in einer der größten Consulting Firmen in Chicago beschert. Das rasend schnelle Tempo der Branche war wie geschaffen für sie. Ihr Ehrgeiz bescherte ihr noch vor ihrem dreißigsten Geburtstag zwei Eigentumswohnungen in Chicago.

Fast jede Woche war sie unterwegs. Von Montag bis Freitag fand ihr Leben in Hotelzimmer, Hotelbars und fremden Firmen statt. Annas Pass sieht aus wie ein Bilderbuch. Unzählige Visastempel in allen Farben und Formen erzählen auf den zusätzlich hinzugefügten Seiten von den letzen sieben Jahren.

Am Wochenende hetzte sie schnell nach Hause um im Schnelldurchlauf das eigene Leben nachholen. Der Stress wurde auch in eigentlichen Entspannungsphasen zum Dauerzustand. Irgendwann bemerkte sie, dass sie sich verändert hatte. Sie war müde, erschöpft und zu ihrem Erschrecken mehr und mehr emotionslos. Aus ihrem amerikanischen Traum war still und heimlich ein Alptraum geworden.

Stress gehört zum Leben dazu. Es ist eine chemische Reaktion unseres Körpers auf eine Anforderung oder Belastung. Gefährlich wird erst, wenn er zum Dauerzustand wird. Dann nämlich schüttet der Körper unentwegt Stresshormone aus, bekommt jedoch kein Signal diese wieder abzubauen.

Anna befand sich in einem nicht enden wollenden Anspannungszustand, der immer mehr an ihren Kräften zehrte. Eines Tages entschied sie, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie hatte zuviele Kollegen die Firma wegen eines Burn outs verlassen sehen. Also handelte sie mit ihrer Firma ein halbe Jahr Auszeit aus, vermietete ihre Wohnung unter und buchte ein Flugticket nach Fidschi. Ihre Kollegen zuhause rieten ihr dringend davon ab. Sie hatte soviel Arbeit in ihre Ausbildung gesteckt. Was würde aus ihrer Karriere werden? Würde sie nach ihrer Auszeit den Einstieg wieder schaffen? Anna wusste nicht ob ihre Entscheidung die Dinge besser machen würden, aber sie wusste, dass sie etwas anders machen musste, damit es vielleicht besser werden konnte.

Elf Wochen lebt Anna jetzt bereits in Silana. Eine hundertachtzig Grad Drehung zu ihrem bisherigen Leben. „Ich bin achtsamer mit mir selbst geworden“, stellt sie fest. Sie hat erkannt, dass Energie ein endliches Gut ist und kennt nun ihre Grenzen. Fidschi scheint wie geschaffen für diese Lektion. Das Klima ist einfach zu anstrengend um unnötig Energie zu verschwenden.

Deswegen sorgt sie jetzt dafür, dass sie Sachen tut, die ihr gut tun. Sie geht ins Bett wenn sie müde ist, auch wenn das jeden Tag um halb neun ist. Wenn sie sich erschöpft fühlt geht sie nicht zu Schule, sondern gönnt ihrem Körper Ruhe. Wenn sie joggen will macht sie das. Egal ob es in Strömen regnet oder es fünf Uhr morgens ist. Nur in Begleitung von Dieter auf ihrem iPod. „Ich bin halt Russin, wir haben nun mal eine Schwäche für Modern Talking“, erklärt sie lachend.

Und so bauen sich die Stresshormone nach und nach ab. An einem Samstag morgen fahren wir in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit dem Bus nach Suva. Die Stimmung ist ausgelassen. In Suva angekommen stürmen wir endlich wieder in Shorts einen Coffeshop und genießen Unmengen an frischgebrühtem Kaffee, die angenehme Temperaturen der Klimaanlage und das Sitzen auf den bequemen Lounge Sesseln. Als wir uns auf den Weg in die Stadt machen wollen stellt Anna fest, dass ihr iPad weg ist.

Die Meisten hätten den Verlust betrauert und wahrscheinlich noch nicht einmal die Polizei informiert. Taschendiebe sind in Suva Gang und Gebe, meist ist die Polizei in das dubiose Spiel sogar involviert. Nicht so Anna. Der Diebstahl lässt die Kämpferin in ihr erneut erwachen. Innere Balance hin und her.

Und so beginnen zwei abenteuerliche Tage in der Hauptstadt Fidschis während denen es Anna schafft ihr iPad zu tracken, es via GPS in einem Vorort von Suva zu orten, vier fidschianische Polizisten davon zu überzeugen mit ihr zu diesem Haus zu fahren und denn Dieben am nächsten eine Falle zu stellen. Diese Aktion bringt Anna nicht nur ihr iPad zurück, sondern uns auch eine Einladung der vier Herren für den nächsten Freitagabend nach Suva, die schwer beeindruckt sind von der russischen Lara Croft.

Die meisten Menschen verzichten auf ihre Macht, weil sie glauben, gar keine zu besitzen. Anna ist sich ihrer Macht bewusst. Egal ob es dabei um ihren charmanten Einfluss auf vier fidschianische Polizisten oder um ihr eigenes Wohlbefinden geht.

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