05/04/14 Praise Sundays

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immer nach ’nem nickerchen kommen mir die besten ideen
und das schönste an der zeit ist, wenn sie in zeitlupe vergeht
die kleinen dinge sind die großen und eben auch andersrum
meine blumenwiese, meine wolken, mein handy stumm

Bosse „Müßiggang“ 

Es ist halb elf. Der Gottesdienst hat bereits seit einer halben Stunde angefangen. Trotzdem trudeln immer noch Besucher in die Kirche mit den blauen Wänden ein. Es sind meist Frauen die barfuß in die große Hütte schlendern, zerfledderte Ausgaben der Bibel unter den Arm geklemmt und sich auf den dreckigen, weißen Plastikboden fallen lassen.

Auf dem Altar, einem langen Holztisch mit einer verschlissenen Spitzentischdecke, stehen mehrere Vasen mit bunten Plastikblumen. Davor sitzt die Gemeinde, meist in weiße Sulus und Hemden gehüllt. Die Kinder sitzen auch. Zumindest einige. Die Meisten turnen durch die Kirche, brabbeln leise, spielen mit Wasserflaschen oder tanzen alleine vor sich hin. Ab und zu stillt eine Mutter oder verlässt die Kirche mit einem Kind auf dem Arm

Gelegentlich stehen alle auf und singen so schön, dass man trotz der unerträglichen Hitze eine Gänsehaut  bekommt. Außer dem Pastor, der zu schwarzem Sulu Sakko und Krawatte trägt und sich von den Neuankömmlingen während seiner Predigt in kleinster Art und Weise stören lässt befinden sich nur wenige Männer im Gottesdienst. „Hangover. Zuviel Kava gestern Abend“, ist die einfache Erklärung.

Nach dem Gottesdienst gibt es ein großes Essen auf Matten vor dem Haus von Live. Gegessen wird auf die fidschianaische Art. Mit den Händen. Frittierte Aubergine, Chickencurry, Kasava, gekochtes Gemüse, Omelett, Fleisch, Nudeln. Dazu selbstgemachtem Saft aus Früchten und jeder Menge Zucker.

„And now: Have a erst!“ verkündet Kaleveigh, einer der Dorfoberen nach dem Essen. Die Dorfbewohner arbeiten viel und hart. Sechs Tage die Woche stehen die Männer stundenlang in der Hitze auf den Feldern und Plantagen. Die Frauen mühen sich mit der Hausarbeit ab, die ohne Annehmlichkeiten wie eine Waschmaschine anstrengend ist und lange dauert. Sogar die Kinder unterstützen ihr Eltern oft noch nach einem langen Schultag  beim Fischen auf dem Meer bis spät in die Nacht.

Am Sonntag allerdings gibt es in Silana nur eine Sache die erlaubt ist. Nichts machen. Sonntage sind dafür da, stundenlang auf einer Matte im Schatten zu dösen, gemeinsam mit der Familie zuhause zu entspannen oder am Meer sitzen.

Wie ungewohnt für mich, deren Terminkalender am Wochenende oft noch voller war als unter der Woche um all die Dinge nachzuholen, die sonst zu kurz gekommen sind. Ich bin nicht gut im Nichts tun. Dabei ist das nicht nur ein Luxusgut für für Aussteiger, Kinder oder Rentner, sondern ein Zustand den wir zur Erholung dringend brauchen.

Neurobiologische Experimente zeigen, dass ein gewisser Leerlauf im Kopf für unsere geistige Stabilität geradezu unabdingbar ist. Das wissen auch die Lehrer an der Grundschule. Deswegen hält die erste Klasse jeden Tag nach dem Mittagessen gemeinsam ein Nickerchen. Ein zwangsverordneter Mini Sonntag auf dem Fußboden des Klassenzimmers.

Wer ständig beschäftigt ist, läuft Gefahr sich im ständigen Tun zu verlieren. Denn selbst Gott hat am siebten Tag eine Pause eingelegt und am Ende des Tages festgestellt, dass es gut war.

Hoch lebe der Sonntag!

 

 

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