30/03/14 Let life get you

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You can´t do anything about the length of your life,
but you can do something about tis width and depth.

Evan Esar

Es ist halb vier Uhr morgens. Ich wache auf und das Wasser läuft mir das Gesicht herunter. Meine Haare kleben in Strähnen an meinem Kopf, mein Kopfkissen ist so nass, dass man es auswringen kann. Das Palmenblatt gedeckte Dach hat gegen den tropischen Sturm verloren. Ich rolle mich am Fußende meiner Matratze unter meinem Moskitonetz zusammen und verfluche die Regenzeit.

Es ist nicht immer leicht auf Fidschi. Die Touristen nehmen die Fähre auf die Yasawa Inseln, aalen sich am Strand und trinken Cocktails. Ich lebe in einem 200 Einwohner Dorf auf der Hauptinsel abseits der Zivilisation und muss mich an mir fremde Regeln halten. Keine Sonnenbrillen, keine kurzen Hosen, keine trägerlosen Tops. Dafür Sulupflicht, ständige Stromausfälle und Engländer die Pommes zwischen zwei Toastbrotscheiben als vollwertige Mahlzeit betrachten.

Geduscht wird mit kaltem Regenwasser und nur selten alleine. Des Öfteren verirrt sich ein Hundewelpen, eine Spinnen oder auch ein Huhn mit unter die Dusche. In der Hütte schlafen wir zu fünft gemeinsam mit jeder Menge Fröschen und Ratten. Die Hitze mischt aus jedem Geruch ein Potpourri der Absonderlichkeiten. Krank werden ist hier kein Spaß. Aber auch ohne tropischen Infekt fühlt man sich durch die Hitze nachts wie in einem fiebrigen Traum.

Und dann wird mir klar, dass es genau das ist was ich wollte. Wo wäre das Abenteuer wenn es einfach wäre? Ich bin in meinem eigenen Traum angekommen und es fühlt sich gut an. Das Hüpfen um die Frösche in der Dunkelheit, die rationierten Mahlzeiten auf dem Boden, die Zyklone. Nach der ersten Woche stelle ich fest, dass ich mehr davon will. Zudem ist Fidschi ist ein wunderschönes Land. Die Menschen sind unfassbar freundlich und die Strände sehen aus wie photogeshoppte Postkarten. Es braucht eine weitere Wochen bis ich eine Idee habe. Warum nicht einfach umbuchen?

Dieser Gedanke löst einen regelrechten Kampf in meinem Kopf aus. Kann ich einfach bleiben, die Pläne über Bord schmeißen? In der dritten Woche wird mir klar, dass ich es kann. Einfach so. Ich war so lange beschäftigt für eine vermeintliche Sicherheit zu arbeiten, dass ich ganz vergessen habe, warum sie überhaupt an erster Stelle stand.

Nach dem Einbruch in Neu Seeland schrieb mir eine Freundin. „Irgendwie ist man als Mensch immer am Horten. Als wenn eine das unsterblich machen würde oder einen irgendwie in einer Art und Weise auf dieser Welt bleiben lässt. Sterben werden wir so oder so und im Zweifel haben die Anderen nur Ärger mit dem Entsorgen der Dinge, die mir etwas bedeutet haben. Aber halt auch nur mir. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt nackt durch die Welt laufen werden, aber so kann man sich vielleicht besser immer wieder von gewissen Dingen trennen.“

Wie Recht sie hat. Wir klammern uns an äußere Dinge wie ein Zuhause, eine Karriere oder an Dinge um die Träumerein von der Zukunft zu rechtfertigen. Für die meisten scheint längeres Reisen wie ein exotischer Traum in weiter Ferne, aber ich habe in den letzen drei Monaten genug Menschen getroffen die das Gegenteil bewiesen haben. Das Pärchen, das mit einem Kleinkind in einem Tandem Neu Seeland durchfährt. Der fast fünfzigjährige Mann, der seinen Job gekündigt hat um nun Wassertanks auf Fidschi zu bauen. Das Pärchen Ende sechzig, dass keine Lust auf Rente hat und nun Siebtklässlern Bruchrechnung beibringt. Die junge Frau Anfang dreißig, die sich nach einem Burn Out einfach ein halbes Jahr nur für sich selbst schenkt und reist.

Und so verschiebe ich kurzerhand meine Abreise um zwei Monate und beschließe ich, dass das Einzige was ich festhalten werde der Moment ist. Denn wer würde schon die Insel auf der das Glück einen findet zu früh verlassen?

 

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