26/03/14 Learn your vocabulary

10154296_10203247945617576_121906419_n

Ein fidschianischer Grundschüler der zweiten Klassen muss einen Grundwortschatz an bestimmten Wörtern und Vokabeln beherrschen.

Manche Kinder sind clever und lernen schnell. Sie sind in der Lage einfache Unterhaltungen auf englisch zu führen. Für anderen Kinder ist es schon schwierig genug in ihrer Muttersprache lesen und schreiben zu lernen. Sie wiederholen im Unterricht gemeinsam mit der Klasse im Chor gebetsmühlenartig die vielen Sätze ohne eine Ahnung davon zu haben was sie bedeuten und schreiben wahllos alles von der Tafel ab.

Für solche Kinder gibt einzelne Nachhilfestunden. Gemeinsam beißen wir uns in der Hitze auf den Steinstufen vor dem Klassenraum durch durch Bilderbücher, lernen zwischen Groß- und Kleinbuchstaben zu unterscheiden, lösen kleine Matheaufgaben und üben die richtige Aussprache.

Melli ist einer dieser Kandidaten. Er tut sich schwer. Die englische Sprache scheint seine Zunge zu verknoten. Wenn er Arbeitsblätter lösen soll guckt er einen verwirrt an oder rattert die wahllos die Zahlen von eins bis zehn herunter. Die vielen Kinder, die ständig laut um uns herumrennen oder uns über die Schulter gucken machen es nicht leichter. Und so bleibt uns nichts übrig als Tag um Tag durch die Aufgaben in kleinen Schritten voranzugehen. Melli schlägt sich tapfer, aber die Verwirrung steht ihm in den großen Augen geschrieben.

An einem Mittwochmorgen lese ich kurz vor Unterrichtsbeginn im Lehrerzimmer eine Mail, die mir die Tränen in die Augen treibt. Ich gehe nach kurz nach draußen um meinen Emotionen freie Bahn zu lassen. Plötzlich kommt Melli um die Ecke gerannt und umarmt mich mit vollem Körpereinsatz. Seine Arme reichen mir gerade bis zu den Oberschenke. Ihm fehlen die Worte um etwas zu sagen, deshalb streckt er einfach die Hände in die Höhe und bedeutet mir ihn auf den Arm zu nehmen. Ich hebe ihn hoch und er schlingt seine kleinen, dünnen Ärmchen so fest er nur kann um mich.

Ihm mögen die Vokabeln fehlen, aber das ist in diesem Moment egal. Eine Umarmungen ist eine Form von Kommunikation und obwohl ihm die Worte fehlen weiß Melli genau was er mir sagen möchte. Das Schönste an einer Umarmung ist aber, dass man nur schwer eine Umarmung verschenken kann ohne selber eine zu bekommen und so drücke ich ihn noch etwas fester zurück.

Ich glaube ich kann noch eine Menge von Melli lernen.

Für Stephan

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s