10/02/14 Meet Matthias

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Acht Wochen. 60 Kilometer und 6 Liter Wasser am Tag. Ein Mann. Ein Fahrrad.

Matthias hat sich viel vorgenommen. Mit seinem Liegefahrrad will er durch ganz Neu Seeland fahren, von Auckland bis nach Christchurch. Alle paar Jahre juckt es ihn in den dünnen Beinchen. Dann muss er wieder los. Meditation auf der Straße. Bis nach Norwegen sind er und sein gelb-schwarzer Untersatz schon gefahren, an der Ostsee hoch über das Baltikum. Aber auch in Frankreich und Südamerika war er schon.

Dieses Jahr nun Neu Seeland. Die Begründung ist ja einfach. „Na, wo ist denn zu dieser Jahreszeit Sommer?!“, fragt er verschmitzt. Zuhause in Bonn arbeitet er als IT Entwickler. „Projektgeschäft“, erklärt er. „Ich habe versprochen, dass Projekt durchzuziehen, aber dafür wollte ich mein Jahresurlaub für dieses und letztes Jahr am Stück haben. Es geht alles, man muss nur fragen.“

Und so hat er nun zwei Monate Zeit. Die Route hat er nicht geplant. Das macht er jeden Abend im Zelt mit seiner Karte. Mit einem Kuli trägt er die gefahrene Route ein und markiert öffentliche Zeltplätze des Department of Conservations. „DOCs verifizieren“ nennt er das. Das war´s. Einen Reiseführer hat er zwar gelesen, aber es geht ihm eh mehr ums Radfahren als systematisch Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Der Weg ist das Ziel. Nur drei Sachen die er unbedingt machen will, hat er sich vor vorgenommen. Delphinschwimmen in Kaikoura, einen Helikopterflug über den Mt. Cook und eine Busfahrt in den Milford Sound.

Drei Nächte in einem Hotel in Auckland hatte er vorher gebucht um sich zu akklimatisieren und den Jet Lag zu überwinden. Und dann ging es los. Mit der Fähre von der Nordinsel auf die Südinsel. An der dünn besiedelten Westküste hinunter Richtung Haast Pass. Auf der Flucht vor den Sandflies und immer auf der Suche nach einer Unterkunft.

Mit dem Fahrrad bekommen Distanzen eine andere Bedeutung. 15 Kilometer bedeuten eine Stunde Fahrt. Da überlegt man sich gut, ob man an einem Zeltplatz vorbeifährt. Mehrere Male hat er schon rechtzeitig keine Unterkunft gefunden. Im Land der Camper eigentlich kein Problem, sein Zelt kann man ja überall aufschlagen. Dachte er. Aber noch schwieriger als ein Schaf zu scheren ist es, ein Schaf einzufangen. Also zäunen die Farmer das Land ein. Einen Weg zum Farmhaus gibt es zwar, aber der führt oft mehrere Kilometer über die Weide. Und das alles mit den schwer bepackten Satteltaschen.

Emirates erlaubt 30 Kilogram Gepäck. Mehr als genug. Ein logistische Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass das Fahrrad alleine 20 kg wiegt. Viel hat er deswegen nicht dabei. Fünf Garnituren Kleidung, eine Isomatte, ein Schlafsack, ein Zelt und seinen Allround Metallnapf, der sich sowohl hervorragend für das Müsli zum Frühstück als auch für jede Art von Abendessen eignet.

„Nimm einfach die Hälfte der Kleidung und das Doppelte an Geld mit wenn du auf Reisen gehst“, rät er. „Das ist nicht nur für Radfahrer ein guter Tipp. Aber ich shoppe eh nicht. Und das ist meist das Teuerste am Reisen.“

Was er nicht mehr braucht verschenkt er, zuviel Gepäck belastet nur. Ein Buch, Spray gegen die Sandflies, Chips. Er teilt sein Essen obwohl er genau kalkulieren muss was er mitnimmt und wie lange er im schlimmsten Fall ohne eine Möglichkeit Verpflegung zu kaufen unterwegs ist.

In der Nähe von Queenstown macht sein Fahrrad schlapp. Ein Ersatzteil muss bestellt werden. Drei Tage wartet er nun schon auf dem Campingplatz. Aber für Matthias ist das kein Problem.

Er hat keine Zeit sich zu beeilen.

 

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