08/02/14 Soak up

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Der Februar ist so unnütz wie ein Dienstagmorgen. Die Erinnerungen an die Feiertage sind schon verblasst. Bis zum Sommer scheint es noch ewig hin. Eine nicht enden wollende Aneinanderreihung aus aus dunklen, kalten Tagen, nervigen Salzrändern an den Schuhen und gebrochenen Vorsätzen. Nur unterbrochen von grinsenden Karnevalsgrimassen, die einem beim Zappen entgegen springen.

Keiner hat sich den Februar ausgesucht. Er ist aus gutem Grund der kürzeste Monat des Jahres. Die dunkle Zeit machen keinen Spaß.

Ich habe eine regelrechte Februar Angst. Es scheint fast wie ein Gesetz, aber bisher hat der Februar mir jedes Jahr Eine verpasst. Dieser Monat will einen aussaugen. Einem das Gefühl geben, dass die dunkle Zeit ewig dauert oder man es, falls er es doch nicht tut, es eh nicht bis zum Ende aushält. Endgegner Februar.

Dieses Jahr habe ich gecheated. Habe einfach ein Level übersprungen. Keine Lust auf das immer gleiche Spiel. Und so stehe ich jetzt beim strahlendem Sonnenschein über Queenstown und lese wie so oft das Schild „Soak up the view“. 

Soak up. Aufsaugen. Das erinnert mich an eins meiner Lieblingsbücher aus meiner Kindheit, „Frederick“ von  Leo Lionni. Während alle anderen Mäuse den Sommer über emsig damit beschäftigt waren Vorräte für den Winter zu sammeln, saß Frederick die meiste Zeit mit geschlossenen Augen auf einem Stein in der Sonne neben dem Kornfeld. „Du solltest Vorräte sammeln“, sagten die anderen Mäuse. „Sonst wirst du im Winter hungrig sein.“ Aber Frederick saß einfach weiter auf seinem Stein. Dann kam der Winter. Und der Hunger. Irgendwann waren alle Vorräte aufgebraucht. Die Mäuse waren hungrig und froren. Frederick setzte sich auf einen Stein und began zu erzählen. Er hatte alles aufgesaugt. Die Farben, die Sonnenstrahlen, die Wörter des Sommers.

Der Sommer mag lange her sein. Aber im digitalen Zeitalter braucht ihr nicht frieren. Auf der Südhalbkugel ist gerade Sommer. Und so kann ich euch erzählen.

Von Sonne, die einfach keine Lust hat unterzugehen und so stark ist, dass sie auf der Haut brizzelt. Die alle Härchen auf den Armen blondiert und den Fingernägeln diesen eigenartigen Geruch verleiht. Von Füßen, die nach langen Wanderungen in Flip Flops durch die Natur schwarz und staubig sind. Von dem Blau der Seen, die aufgrund winziger Felspartikel nur so strahlen, dass man wie hypnotisiert ist. Von grünen Landschaften, die nur ab und zu von ein paar Kühen oder Schafen gesprenkelt sind. Von dem Zwitschern der Vögel, das so laut ist, dass es einen morgens weckt. Von dem Geruch des Meeres, dass mal frisch & salzig, mal moderig riecht. Je nach Richtung des Windes.

Nichts währt ewig, auch nicht der schlimmste Monat. Noch einmal tief Luft holen, dann kann man schon den Frühling riechen. Der Sommer kommt wieder. Versprochen. Er ist nur grad am anderen Ende der Welt.

Für Anne L.

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