01/02/13 Meet Murray

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Murray hatte eine Visionen: Er sah gemeinsame Frühstücke mit der ganzen Familie, Gartenpartys am Pool mit Freunden, einen eigenen Gemüsegarten.

„Ich möchte dir etwas zeigen“, hatte er zu seiner Frau Beryl gesagt und sie zu einem geheimnisvollen Ausflug in ihrem alten Auto eingeladen. Nun standen sie am Ende der Rockinghorse Road.

Alles was Beryl sah war ein Schotterweg der sich abseits der Hauptstraße an der Küste entlang schlängelte. Am anderen Ende endete der Fluss ins Meer. Es war Ebbe und das sich zurückziehende Wasser offenbarte den matschigen Schlick, der über und über mit Krebslöchern durchzogen war und einen unangenehmen Geruch verströmte. Der Blick über den Damm war grau ebenso wie die Hügel hinter. Beryl drehte sich um und blickte auf die großen Dünen zu ihrer Seite. Keine Straße war zu sehen, dafür Unmengen von Strandhafer und gelben Lupinen. Es war schön hier. Zumindest die eine Seite. Aber wollten sie hier leben?

Oh ja, Murray wollte! Nur ein paar Wochen später waren Murray und Beryl stolze Besitzer des Stücks Land am Ende Marine Parade. Ein Quarter Acre Paradise.  Murray hatte während des zweiten Weltkrieges den Dienst an der Waffe verweigert, was zur Folge hatte das sie nun keinen Kredit bekamen und keine Versicherung ihr Haus versichern wollte. Das bedeutet immer wieder Baustopp sobald das Geld ausging und teilweise sogar Umzug in eine Wohnung.

Aber Murray hatte immer noch seine Vision. Er wusste: Sich anstrengen und hart zu arbeiten war wichtig, aber noch wichtiger war es an seinen Traum zu glauben. Also verfolgte er das Prinzip „Babysteps“. Eine Sache nach der anderen. Langsam aber beständig. Niemals aufgeben. Hauptsache ein Schritt nach dem Anderen. Just start.

Die ersten drei Jahre hatten sie keine Elektrizität, nur ein offenes Feuer in der Küche. Außerdem keine direkten Nachbarn am Ende der Straße in der zunächst keiner leben wollte. Dennoch waren sie nie alleine. Ständig kamen Freunde, Familie und zufällig vorbeispazierende Fremde vorbei.

Über die Jahre wuchs das Haus immer mehr ebenso wie die Familie. Bereits Mitte der 60er Jahre hatten sie ihren eigenen Pool im Garten. Das Haus wurde richtig isoliert und ausgebaut. Nachbarn zogen in ihre Straße.

Vieles geht wohl auf Murrays unglaublichen Willen zurück. Seine Fantasie war das Kraftwerk, das seine Vision beständig mit Energie versorgte. Willenskraft, eine Garage voller Werkzeug und ein paar kräftige Hände. Oft braucht es gar nicht mehr. Er liebte es Probleme zu lösen und sagte danach dann gewöhnlich „Now what am I going to worry about?!“ Seine Kinder ermutigte er immer wieder Risiken einzugehen und neue Sachen auszuprobieren. Wenn sie etwas erreichten freute er sich riesig. Wenn nicht, war es auch egal. Sie hatten es versucht und das war das Einzige was zählte. Just start.

In Murrays Haus sind vier Kinder und zwei Enkel aufgezogen worden. Außerdem bot es immer wieder Heimat für temporär heimkehrende Familienmitglieder. Es hat hat zwei Erdbeben im Gegensatz zu vielen anderen Häusern der Stadt relativ gut überstanden. In dem durch das Erdbeben zerstörten und mittlerweile zugeschütteten Swimming Pool hat Murray all seinen Kindern und Enkelkindern sowie unzähligen Nachbarskindern das Schwimmen beigebracht. Am Pool wurden jede Menge Partys mit Gin Tonic, Freunden und dem Klavier, das kurzerhand nach draußen geschoben wurde, gefeiert. Viele weitere Pools sowie etwa ein Dutzend weiterer Häuser hat Murray in der Nachbarschaft gebaut, darunter das malerische Haus seiner jüngsten Tochter.

John Murray Russel Osborn starb am 17. Januar 1998 im Alter von 79 Jahren. Ich hätte ihn gerne kennengelernt. Er muss ein wahnsinnig liebevoller, sanftmütiger, einfallsreicher und positiver Mann gewesen sein. In jeder der vier Reden seiner Kinder zu seiner Beerdigung taucht ein Satz immer wieder auf.

Just start.

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