31/01/14 Carpe Diem

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Coole Leute frühstücken nicht. Frühstücken ist unnötig, ein Relikt aus Kinderzeiten in der man noch Zeit hatte dabei Gedanken versunken die Rückseite der Kellogs Packung zu studieren. Heute frisst die Zeit dich während du frisst. Zuviel ist zu tun. Schnell ein Coffee to go. Nutze den Tag. Carpe Diem.

Ich frühstücke. Gerne.

Die Vorfreude auf eine Tasse schwarzen Kaffee hat immer die Snooze Taste geschlagen. Ich mag diese Zeit des kurzen Innehaltens am Morgen, eingerahmt von Rührei und Marmeladenbrötchen. Manchmal bin ich in der Woche, frühmorgens schon ein, zwei Stunden vor dem Weckerklingeln mit einem unglaublichen Verlangen nach Pfannkuchen aufgewacht. Dann habe ich morgens um fünf in der Küche gestanden und gebacken. Dicke, runde Pfannkuchen mit Puderzucker. Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler. Und mich danach wieder schlafen gelegt bis der Wecker mich dann tatsächlich geweckt hat.

Aber ich war eine einsame Kaiserin, immer alleine am Küchentisch.

Jetzt habe ich eine neue royale Familie die mit mir königlich speist. Oder sich zumindest dem Hofprotokoll beugen muss. Denn für Beryl ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit. Ausschlafen und erholt hat sie wesentlich mehr Energie um Nahrung zu sich zu nehmen als am Abend. Beißen, Kauen, Schlucken. All das ist sehr anstrengend für sie. Sie isst nur kleine Portionen, obwohl sie dringend an Gewicht zulegen müsste. Jedes Mal wenn sie es schafft ganz aufzuessen werfen wir uns stolze Blicke zu. High-Five mit den Augen!

Und so sitzen wir, die Kaiserinnen von Christchurch, jeden Morgen zusammen am Küchentisch und frühstücken. Gemeinsam und lange. Essen Müsli mit Sahne anstatt Milch, hören Louis Armstrong aus dem Wohnzimmer singen, lachen mit Beryl über Geschichten von früher. Denn Carpe Diem bedeute fälschlicherweise nicht nur den Tag zu nutzen, sondern auch die knappe Lebenszeit zu genießen.

Ich genieße einen zweiten Kaffee aus meinem neuen Lieblingsbecher, der Papageientasse aus Australien. Da schaut Beryl von ihrer Müslischale auf und guckt in die Runde. “I suppose some of us are having a pretty good life!“, sagt sie und lacht.

Carpe Diem.

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