27/01/14 Re-Start

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Normalerweise findet man in einem Reiseführer Tipps, was man sich angucken sollte, Hinweise auf die architektonischen Highlights der Stadt, Routen zu den schönsten Plätze, Insider Tipps.

Für Christchurch gilt das nicht. Seit dem 22. Februar 2011 hat jeder Reiseführer hier an Bedeutung verloren. Nach dem Erdbeben der Stärke 6,3 fast unter dem Stadtzentrum ist hier nichts mehr wie vorher.

185 Menschen kamen ums Leben. 10.000 Wohnhäuser sind nicht mehr bewohnbar und müssen abgerissen werden. Etwa 100.000 Häuser sind reparaturbedürftig. 70.000 Menschen verließen nach dem Erdbeben die Stadt, fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Und diejenige die geblieben sind warten. Auf die Reparaturmaßnahmen an ihren Häusern, auf eine Ersatzunterkunft, auf das Geld der Versicherung.

Drei Jahre danach ist die Stadt noch immer eine offene Wunde. Zu viel ist zerstört und zu viel ist zu tun. Halbe Häuser ragen wie offene Brüche zum Himmel. Die Straßen sind überzogen von Schlaglöchern, fiese Hämatome im Asphalt die nur langsam verblassen. Unzählige Bagger, Kräne und Bauarbeiter tummeln sich wie auf einem riesigen Wimmelbild. Leuchtend orangefarbene Verkehrshütchen, road cones, pflastern die ganze Stadt wie tausende kleine Wahrzeichen. Sie bewegen sich über Nacht scheinbar heimlich durch die Straßen, gespielt von einem unsichtbaren Hütchenspieler. Kein Navigationssystem kommt hier mit, jeden Tag ist eine andere Straße gesperrt.

Die Bewohner Christchurchs nehmen es wie es ist. Räumen weiter auf. Improvisieren. Arbeiten mit vereinten Kräften am Wiederaufbau ihrer Stadt. Und nutzen die Chance für Neues.

Ich sitze zwischen in der Innenstadt zwischen lauter bunten Containern, trinke einen Kaffee und bewundere die improvisierte Fußgängerzone. Die vielen Schiffscontainer ersetzen die ehemalige Einkaufsstraße Colombo Street und ergeben so, aneinander addiert wie ein Supersize Tetris, die Re-Start Mall. Ein neues, wunderbares Konzept von Einkaufszentrum, das die Besucher dadurch wieder in die Sonne holt, anstatt sie in gigantische, überall auf der Welt gleich aussehende Gebäudekomplexen zu sperren. Und das ist es schließlich, was Wunden zum Heilen brauchen. Frische Luft, Licht und Liebe.

„Ein Mann sollte so sein wie ein Panther – stark und flexibel zugleich“, hat meine Personal Trainer Ausbilderin einmal gesagt. Nun, wäre Christchurch ein Mann, ich würde mich sofort verlieben!

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