26/01/14 Get a present

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Der Neu Seeländer hat ein Lieblingswort. Es heißt „No worries“.  Nimmt man beide Wörte und fügt sie zusammen erhält man das Wort now. Jetzt. Mein liebstes Wort und Motto für mein Jahr, mein Leben. Und so sitze ich hier, instinktiv selbsteingewiesen in ein Land der Optimisten und denke an

Vorgestern. Vorvorgestern. Letztes Jahr. Übermorgen. Oktober. 2015. 2023. 2041.

Wie lange wird mein Geld reichen? Was werde ich nach meiner Rückkehr machen? Wovon werde ich leben? Und wie sind eigentlich die Öffnungszeiten der Agentur für Arbeit? Habe ich in Deutschland diese Fragen souverän mit „Das kann nicht sagen, denn ich lebe im Hier & Jetzt“ beantwortet, holen sie mich hier wieder ein. Schleichen sich langsam wieder in meine Gedanken, hüpfen laut gröhlend herum und machen eine Kissenschlacht mit meinen guten Vorsätzen.

Ich fasse es nicht. Da sitze ich in diesem wunderschönen Land in einem Garten direkt am pazifischen Ozean bei sonnigen 23 Grad Ende Januar und sorge mich. Baue mir mit meinem Verstand eine mentale Zeitmaschine, zurück und in die Zukunft. Dabei ist die Einzige die hier für Falten in meinem Gesicht verantwortlich sein sollte, ist die UV-Strahlung, die selbst bei bewölktem Himmel unerbittlich ist.

Und plötzlich erkenne ich es: Ich bin wieder reingefallen. Hineingetappt in die Falle meines Monkey Minds, das mich doch nur beschützen will und mir zu meiner eigenen Sicherheit eine Armee Angst schickt, schwer bewaffnet mit zukünftigen Worst-Case Szenarien.

Also tue ich das was nicht nur mein Kopf, sondern auch der Garten dringend nötig hat – ich grabe ihn um. Noch vor einem Monat habe ich höchstens digitale Trash in den kleinen, hübschen Papierkorb unten rechts geworfen. Jetzt fülle ich an einem Nachmittag zwei große, analoge Mülltonnen.

Das botanische Synonym zu meinen Gedanken heißt Oxalis. Ein Wannabee-Klee der niederträchtigsten Art. Hinterlistig versteckt er direkt neben den Wurzeln ganze Bündel von neuen Samen. Kleine Bomben, die bei jeder Berührung platzen und nur noch mehr Schaden anrichten. Kommt mir irgendwie bekannt vor…

Und so krieche ich auf allen Vieren durch die Beete, im Kampf gegen das pflanzliches Minenfeld und die imaginären Sprengkörper. Denke nicht nur mit dem Verstand, sondern dem ganzen Körper. Buddel mit den Händen, hänge mich mit meinem ganzen Körpergewicht an tote Palmenblätter um sie herauszureißen und versuche mit voller Unterstützung meiner FlipFlops den Spaten in die trockene Erde zu rammen. Ich bin ein Gold Digger, ein glücklicher Bulldozer, ein berauschter Terrier mit dem Kalorienverbauch eines Bauarbeiters…

Ich bin im Flow.

Auf einmal merke ich, dass ich da bin, wo ich hinwollte. Ich bin wieder im Moment angekommen. Ich bin im Jetzt, im Flow.

Soll das Vergangene seine berechtigte Geschichte haben. Meinetwegen. Nicht umsonst heißt es auf englisch history. Und der Zukunft lasse ich auch ihre Zukunftsform, future. Aber die Gegenwart, die nehme ich als was, was sie ist, und zwar nicht nur auf englisch – present, ein Geschenk!

In diesem Sinne – ich muss wieder raus. Ein paar Beete umgraben. Now.

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